Montag, November 05, 2007

Ohne Glanz

Es war irgendwann an einem tristen Samstagnachmittag, als wir mitten in der weiten Leere am Stadtrand von Idar-Oberstein standen. Zuvor musste unsere Gefährte die hohen Steigungen bewältigen, um überhaupt erst an diesen Punkt anzugelangen und nun standen wir dort, wo wirklich nichts außer den vielen Autos mit saarländischen Kennzeichen darauf hindeutete, dass hier der FCS irgendwo spielen würde. Nach einer kleinen Wanderung über einen Feldweg, wurde einem klar, dass irgendjemand in Idar-Oberstein mitten in diese Landschaft ein Stadion(viele werden bei der Bezeichnung "Stadion" wohl lachen) reingebaut hat.

'idar 002' von Carsten_FCS

Am Eingang des "neuen Gästeblocks" zeichneten sich erste organisatorische Hürden ab, die es zu überwinden galt. Auf einmal waren Fahnenstocklängen, die im Vorfeld genehmigt wurden, nicht mehr aktuell und den Fahnenträgern wurde der Einlass verweigert. Als nächster Diskussionsteilnehmer wurde der Fanbeauftragte Günter G. eingeschaltet, der sich nun um "die Fohn" kümmern sollte. In der Zwischenzeit stockte der Verkehr weiter und ich wurde gründlichst genau auf alle Gefahr untersucht, die von mir ausgehen konnte. So erfreuten sich auch Taschentücher und mein nagelneues, bis dato unbenutztes Notizbuch einer exzessiven Kontrolle. Als unbeschriebenes Blatt durften Notizbuch und ich den Gästeblock betreten. Dieser wurde augenscheinlich aus aufgeschütteten Sandhaufen und Bauzäunen hergestellt (die Zäune erwiesen sich geringfügig stabiler als die in Wirges).

'idar 017' von Carsten_FCS

Vor 3.200 Zuschauern flachte die begeisternde Aufmerksamkeit für die organisatorischen Hürden und Kuriositäten dann doch noch ab, als das Spiel begann. Michael Krüger bewies Mut, indem er erneut auf Manuel Rasp in der Startelf verzichtete und auf Marcel Schug und Volkan Özgün setzte. Zudem durfte auch Neuzugang Denny Luft nun seine Premiere in der Startformation feiern. Nazif Hajdarovic fehlte verletzungsbedingt, was ein wenig Skepsis bei den mitgereisten FCSlern hervorrufte, die in der vierten Spielminute dann auch noch grausam bestätigt wurde.
Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld landete ein schlecht abgewehrter Ball genau vor den Füßen von Ali Dibooglu, welcher keine große Mühe hatte, Pascal Formann aus wenigen Metern zu überwinden. Der Kulturschock war perfekt.

Der Stimmungshaufen ließ sich davon wenig beeindrucken und machte ohne nervtötendes Gepfeife dort weiter, wo er aufgehört hatte und versuchte die Mannschaft zu unterstützen. Von ca. 1.500 waren es die altbekannten Auswärtsfahrer, die sich zu dieser Gruppe zählen konnten.
In der 15. Minute sorgte ein Vorstoß des FCS für Gefahr. Dabei spielte Mike Frantz den Ball klug in den freien Raum, welchen Pascal Stelletta für sich ausnutzen konnte, um den Ball am gegnerischen Torwart flach einzuschieben. Damit war erst einmal der Gästeanhang beruhigt. In der Folgezeit blieb das Spiel ausgeglichen und die harte Gangart der Gastgeber sorgte dafür, dass zunächst Schug den Platz verletzungsbedingt für Karaoglan verlassen musste und dieser danach selbst aufgrund einer Verletzung das Feld für Brückerhoff räumte.

Nach dem Genuss einer für rheinland-pfälzische Verhältnisse ausgezeichneten Rostwurst und der Erkenntnis, dass man trotz erhöhter Sicherheitsbedingungen trotzdem größere Felsbrocken im Gästeblock liegen hatte, war es dann auch an der Zeit, in die zweite Halbzeit zu gehen. Erstmals gefährlich wurde der FCS in der 51. Minute, als ein Eckball den Kopf von Rouven Wiesner fand, welcher erneut seine unglaubliche Torgefährlichkeit als Abwehrspieler unter Beweis stellte und die 2:1-Führung markierte. Von langer Dauer war das Glück jedoch nicht, da nicht einmal 60 Sekunden später auf der Gegenseite die Abwehr einen Angrif verschlief und ein artistischer Kracher von Ugochukwu im Netz von Pascal Formann einschlug - 2:2.
Leider zeigte sich wieder einmal, wo bei dieser zu Saisonbeginn hochgelobten Mannschaft noch zu Aussetzern kommt. Neben der gesamten Defensive lieferte auch Julien Humbert ein schwaches Spiel ab und zeigte nicht die Ideenfülle, die er an guten Tagen hat. Volkan Özgün war an diesem Tag nur schwer in Szene zu setzen und schien ohne Flankenbälle im Getümmel einer kompakten Heimabwehr unterzutauchen. Dafür zeigte Mike Frantz eine tadellose Leistung, welche er mit dem Treffer zum 3:2 nach einer Flanke von Jülich krönte. Der Torwart verpasste den langen Ball, sodass der Mann mit der Nummer 7 nur noch lässig einschieben musste.
Direkt im Gegenzug kam Idar-Oberstein erneut zu einer Großchance, welche diesmal von Pascal Formann vereiltelt wurde. In der Folgezeit drängte der Gastgeber auf den Ausgleich, während der eingewechselte Rasp mit einem unentschlossenen Alleingang die Entscheidung verpasste. Der Krieg für die Nerven endete dann jedoch glücklich und der FCS heimste drei weitere Punkte ein.

Nach dem letzten Freudentanz im staubigen Gästeblock war dann die Heimwanderung durch die Natur zum Parkplatz angesagt. Bekanntlich ist es nicht alles Gold, was glänzt und auf den FCS kommt noch viel an Arbeit zu, will man schrittweise wieder in bedeutendere Fußballregionen, jedoch wird in einem Jahr wohl niemand mehr daran denken, wie sehr dieser Sieg erzittert wurde.

'idar 020' von Carsten_FCS

Freitag, November 02, 2007

Es gibt keine Gastgeschenke

Unabhängig davon, auf welchem Tabellenplatz der 1. FC Saarbrücken im Moment steht: irgendwas stimmt nicht. Kaum gewinnt man, so ist es die Stimmung im Stadion, die alle geringen Erwartungen untertrifft. Beträgt die Differenz bei den Siegen nur noch zwei anstatt fünf Tore, so wird die Überheblichkeit einiger Spieler zum Thema und sobald die Mannschaft dann nicht gewinnt, bedarf es keiner ausgeprägten Phantasie, um ein neues Streitthema zu finden. Sollte da nicht ein Spiel beim Tabellenletzten Abhilfe schaffen?

Idar-Oberstein. Edelsteinstadt, Geburtsort von Bruce Willis und Heimat des SC 07 Idar-Oberstein, welcher zurzeit mit nur acht Punkten aus 13 Spielen das Schlusslicht der Oberliga Südwest bildet. Man könnte jetzt eigentlich meinen, dass die Mannschaft von Ex-FCSler Martin Molz mit dem Rücken zur Wand steht und am Samstag als Kanonenfutter herhalten muss. Diese Annahme könnte sich, wie schon so oft, als trügerisch herausstellen. Im heimischen "Stadion im Haag" gibt es einen kleinen, jedoch nicht unerheblichen Aufwärtstrend für Idar-Oberstein zu beobachten. Die letzten beiden Heimspiele bescherten dem Tabellenletzten eine volle Punktausbeute und einen kleinen Funken Hoffnung, die man nun auf jeden Fall am Leben erhalten will.
Gegen einen Außenseitererfolg "im Haag" sprechen die Gegner, gegen die Idar-Oberstein bisher antreten musste. Keine der Mannschaften, die hier ihre Punkte lassen mussten, sind über dem neunten Tabellenplatz anzutreffen. Dafür setzte es gegen alle "Großen" der Liga deftige Niederlagen. Mainz, Trier, Worms und Neunkirchen haben ihre Begegnungen mit Idar-Oberstein allesamt gewonnen, ohne dabei ein Gegentor zu kassieren.
Daran wird sich der FCS messen lassen müssen. Einerseits steht dem Verein ein Spiel bevor, welches wie kein anderes die Chance darstellt, Punkte im Kampf um den Aufstieg zu sichern. Man spielt ja nicht jedes Wochenende beim Schlusslicht. Andererseits kann man auch immer davon ausgehen, dass in solchen Spielen die vermeintlich schwache Mannschaft besonders motiviert ist, um am Ende groß aufzutrumpfen. Es ist die uralte Geschichte, auf deren erneute Ausführung wohl vor allem die FCS-Hasser hoffen, die in letzter Zeit noch nicht genug Nahrung bekommen haben. Unstimmigkeiten bei den "Stars" der Mannschaft, die sich schon selbst in der Bundesliga sehen, die Gerichtsverhandlung von Wolfgang Loos, die mit einer Strafe von ganzen 250 € endete und nicht zuletzt die endlosen Diskussionen um die Sicherheit bei FCS-Auswärtsspielen lieferte dem Internet und einigen Journalisten ein gefundenes Fressen, um sich über diese Themen auszulassen.

Grade dieses letzte Thema findet sich auch in Idar-Oberstein wieder. Im angestammten Stadion im Haag wurde eigens ein Gästeblock für den reisefreudigen FCS-Anhang eingerichtet. Etwa 4000 Zuschauer rechnet sich der Gastverein aus. Da ist es doch recht nett, dass man die FCS-Fans vorher darauf hingewiesen hat, dass es von Bahnhof bis zum Stadion in Idar-Oberstein ganze sechs Kilometer mit Steigungen sind. Es scheint ja doch noch einen Funken Gastfreundlichkeit für die zahlreichen FCS-Fans zu geben. Wie diese dann in der Edelsteinstadt umgesetzt wird, erfahren wir morgen. Dass es zumindest auf dem Platz keine Geschenke geben wird, dürfte jedem klar sein.

Links:

- Webseite SC 07 Idar-Oberstein
- Krüger blickt auf 30-Punkte-Marke (FCS-HP)

Sonntag, Oktober 28, 2007

Halbgar

Und wieder ist einer dieser Tage zuende, an denen man eigentlich zufrieden sein sollte, es aber nicht ist. Wie ein Buch, dass man voller Erwartung gekauft hat und nach 150 Seiten gelangweilt aufgibt oder ein Essen im Restaurant, nach dem man immer noch hungrig ist.
Fußball im Herbst ist eigentlich unattraktiv. Man steht meist bestens eingepackt im Stadion, um sich vor der Kälte ein wenig abzuschotten, was die Bewegungsfreiheit beim aktiven Anfeuern ein wenig einschränkt und wenn dann die Spieler selbst fast steifgefroren auf dem Platz agieren und der Gegner auch noch Engers heißt, ist davon auszugehen, dass kein "Fußballfest", wie es so schön in der DFB-Sprache heißt, bevorsteht.

'Fanstand' von Carsten_FCS

Beim Betreten des E-Blocks gab es diesmal eine Veränderung zu beobachten. Nach langer Zeit hat die Virage Est wieder einen überdachten Stand bekommen, an dem u.a. Aufkleber, Karten für Auswärtsspiele und natürlich Fanzines verkauft werden. Zum Thema "Fanzines" erschien auch in der DRF-Kurvenlage ein Artikel, der mir aus dem Herzen spricht(siehe auch hier). Es wurde bemängelt, dass viele, vor allem junge Stadionbesucher eher an Fotos im Internet oder den aufwendigen Motiven der Aufkleber interessiert sind als an einer ausführlichen Berichterstattung über das Geschehen in der Kurve. Ob man mit einem Artikel, der man erstmal lesen muss, auch die anspricht, die eben nicht gerne in Fanzines lesen, ist eine übergeordnete Herausforderung.

Vor einer eher enttäuschenden, aber voraussehbaren Kulisse von 3300 Zuschauern begann das Spiel mit einem Schnellangriff, der zum 1:0 nach weniger als einer Minute führte. Es kam einer Befreiung gleich, dass Nazif Hajdarovic traf, welcher in den letzten Wochen erheblich kritisiert wurde. Sein Flachschuss landete in der langen Ecke des gegnerischen Tores, bevor der FV Engers überhaupt mitbekommen hatte, dass schon gespielt wird.
In den folgenden Minuten griff der FCS weiter an, schaffte es aber nicht mehr die Abwehr zu durchbrechen und probierte es folglich mit Fernschüssen, die allesamt das Gehäuse in einem Sicherheitsabstand von mehreren Metern passierten. Dafür erwachte Engers aus dem Dornröschenschlaf und hielt die Abwehr kompakt zusammen. Mit der abflachenden Spiellaume der Blau-Schwarzen ergaben sich auch mehr Freiräume für die Gäste. Grobe Schnitzer in der Abwehr verrieten schon früh, dass auch der FV Engers den Ludwigspark nicht ohne Treffer verlassen würde. In der 15. Minute fand dann eine hohe Flanke den Kopf von Kern und der Ausgleich war gefallen, die Abwehr entblößt und Pascal Formann machtlos.

'engersfan' von Carsten_FCS

Im Gästesektor führte dies zu ekstatischen Jubelausbrüchen. Überhalb des C-Blocks fand sich ein Anhänger des FV Engers ein, der in der gesamten ersten Halbzeit unermüdlich und oberkörperfrei alleine trommelte und seine Mannschaft anfeuerte. Vielleicht mögen das einige peinlich finden, aber im Grunde genommen hat dieser Mann vollen Respekt verdient, vor allem wenn man an die derzeitigen Temperaturen denkt. Peinlicher ist die Tatsache, dass dieser eine Fan zeitweise im Stadion lauter zu vernehmen war als der FCS-Anhang.
Der D-Block hatte vor allem optisch deutlich an Masse verloren und war akustisch über 90 Minuten vielleicht insgesamt fünf Minuten aktiv. Der E-Block zeigte sich für seine Verhältnisse zwar nicht wirklich berauschend, aber dennoch weitaus zufriedenstellender als der D-Block. Dieses Mal gab es auch eine Flut an Spruchbändern seitens der Virage Est und Droogs SB zu sehen, die allesamt die ungerechte Behandlung der Fans in Hauenstein thematisierten und übertriebene Maßnahmen seitens der Polizei kritisierten. In Sachen Stimmung war das Heimspiel gegen Engers sicherlich kein Glanzpunkt, aber auch auf dem Platz lief es nicht immer wie gewollt.

In der 19. Minute fand dann einer der endlosen Eckbälle nach einem kurzen Herumgestochere in der Menge in Tim Schwartz seinen Abnehmer und der FCS stellte den alten Abstand wieder her: 2:1! Mit Schwartz traf dann auch einer derjenigen, die in letzter Zeit eher unsicher wirken. Auf der rechten Abwehrseite gibt es in Alexander Otto nämlich einen weiteren jungen Spieler, der auf Einsätze hofft.
Dass es in der Abwehr trotzdem nicht rundlief, bewies die zweite gute Szene des FV Engers. Nach einer Flanke von links war weit und breit kein Gegenspieler zu finden, als ein Angreifer den Ball seelenruhig aus der Luft nehmen konnte und Pascal Formann damit übertrumpfen wollte. Das Geräusch des Balles, der ans Aluminium klatscht, ließ einem das Herz in die Hose rutschen. Zum Glück war es das auch schon an Chancen für Engers. Zur Pause begleitete ein Pfeifkonzert die Spieler in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit setzte sich das fort, was man schon zuvor gesehen hatte: ideenlos und zu eigensinnig ging die FCS-Offensive zu Werke. Vor allem Arif Karaoglan rechtfertigte seine Berufung in die Startaufstellung keinesfalls. Positiver Lichtblick war Pascal Stelletta, welcher im Mittelfeld die Kreativabteilung mit klaren Pässen zu unterstützen wusste. Was jedoch klar fehlte war der Mannschaftsgeist und die klare Führung, die sonst Torsten Jülich immer ausstrahlt. So fiel die endgültige Entscheidung erst nach 70 Minuten. Nachdem man schon mehrmals am starken Gästetorwart gescheitert war, stocherte Pascal Stelletta den Ball über die Linie und belohnte sich mit seinem ersten Pflichtspieltor in der Oberliga. In der Folge kam der FCS noch zu einigen hochkarätigen Torchancen, die jedoch mangels Glück oder am gegnerischen Torwart scheiterten. Dass sich die lahme Begegnung noch ein wenig in der Schlussphase besserte war den eingestellten Bemühungen der Gäste und den Einwechslungen von Schug, Brückerhoff und Luft zu verdanken.

Am Ende bleibt ein Spiel, das in einem Jahr nur noch in den Statistiken von Bedeutung sein wird. Dann wird niemand mehr danach fragen, mit welch einer halbgaren Vorstellung, sowohl seitens der Spieler als auch des Publikums, drei Tore und drei Punkte an einem überaus kalten Samstagnachmittag zustande gekommen sind.

Freitag, Oktober 26, 2007

Ein Sieg muss her!

Und wieder einmal gelten für den FCS die altbekannten Schlagworte: Pflichtsieg, drei Punkte für den Aufstieg.
Diese Begriffe, irgendwann Anfang der Saison zum Mantra geworden, gewinnen für den 1. FC Saarbrücken so langsam an existenzieller Bedeutung. Zumindest könnte man das meinen, wenn man die letzten Resultate betrachtet. Fünf Punkte aus den letzten fünf Spielen sind ein deutliches Zeichen für die kleine Schwächphase, die sich bereits in Homburg angedeutet hat und dann in Mainz offiziell wurde. Die Euphorie der ersten Spiele hat sich nun auf ein normales Niveau eingependelt und trotz der Tatsache, dass man bisher im Soll liegt, grassiert nun die Angst im FCS-Umfeld. Die Angst, den Aufstieg zu verpassen und auf saarländischen Sportplätzen ein tristes Dasein führen zu müssen. Da Angst bekanntlich lähmt und für das Vorhaben des FCS eher destruktiv ist, muss nun ein Sieg her. Und damit wären wir schon bei der Mannschaft, die freudigerweise ihre Punkte im Ludwigspark lassen soll: der FV Engers 07

Der Klub aus dem Neuwieder Stadtteil rühmt sich in seiner Historie stolz als Entdecker solcher Spieler wie Herbert Zimmermann (nicht der gleichnamige Sportreporter) und Carsten Keuler, die es sogar in die Bundesliga schafften. Eigentlich gibt es nicht viel mehr an historischen Daten und Fakten, die so herausragend sind, dass man sie hier erwähnen müsste (außer vielleicht, dass der Verein bei seiner Gründung FC "Roland" hieß). Vielmehr ist die aktuelle Situation von Interesse: Engers liegt mit zehn Punkten derzeit auf Rang 15 und ist bisher noch nicht wirklich in Fahrt gekommen. Zuletzt kassierte der FVE eine 0:2-Heimniederlage gegen Borussia Neunkirchen. Auch innerhalb des Vereins scheint es nicht zu stimmen. Der ehemalige Bundesligaspieler Markus Dworrak (oft verwechselt mit Matthias Dworschack), der erst im Sommer von Dynamo Dresden zu Engers wechselte, steht nach kurzer Zeit schon wieder vor dem Abgang.

So ein Gegner sollte doch eigentlich das richtige Aufbaumittel für das angeknackste Selbstvertrauen des 1. FC Saarbrücken darstellen. Die Verantwortung liegt nun verstärkt bei den jungen Spielern, die zum ersten Mal in ihrer Karriere mitten im Fokus tausender FCS-Anhänger stehen. Einer der alten Leitwölfe, Torsten Jülich, wird am Samstag aus Krankheitsgründen nicht die Führung auf dem Platz übernehmen können. Dafür entbrennt der Konkurrenzkampf umso mehr, da auch Volkan Özgün mit seinem ersten Tor Anspruch auf einen Platz in der Startelf anmeldete und Woche für Woche Ergänzungspieler und Spieler aus der Zweiten Mannschaft ihre Empfehlungsschreiben in Form guter Leistungen einreichen. Hierbei dürften vermehrt Namen wie Pascal Stelletta, Mike Brückerhoff, Alexander Otto, Yannick Dekoun oder auch Samir Hadji fallen.
Ein Sieg würde auch endlich wieder die wohl launischste Diva im FCS-Umfeld beruhigen: das Stadionpublikum. Die Zuschauerzahlen und das Verhalten der "Tribünenhocker" hängt vor allem von dem Fußball ab, den sie Woche für Woche geboten bekommen. Bei abnehmender Qualität sinken auch die Zuschauerzahlen, die auch in der Oberliga ein wichtiger Geldfaktor für den FCS sind. Es ist schwierig, Leute mit einem 1:1 gegen Engers zu begeistern, die vor ein paar Wochen ein 7:0 gegen Bad Kreuznach und ein 5:0 gegen Köllerbach bestauenen durften.
Die unmittelbare Konkurrenz in Gestalt von Pirmasens hat gepunktet. Nun liegt es am FCS den Abstand wieder zu vergrößen, damit das Mantra "Aufstieg!" nicht zur bitteren Ironie verkommt, so wie es im letzten Jahr der Fall war.

Links:

- FV Engers 07
- Wochenende der Saar-Clubs auf sr-online.de

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Einseitig, nicht?

Ich muss gestehen: ich hasse einseitige Berichterstattung!
Bei solch einem emotionalen Thema wie dem Fußball erschwert es sich zwar, das nötige Maß an Empathie zu wahren, da die Verlockung zur Übertreibung, Selbstüberschätzung und Angeberei groß ist. Was wäre denn schon ein Weblog, in dem man die eigene Elf nach einem Sieg nicht in höchsten Tönen lobt oder ein Stimmungsbericht, in dem man die eigene Geräuschkulisse im Vergleich zur Realität ein wenig aufwertet?
Das lässt sich ja doch irgendwie entschuldigen. Die andere Extreme besteht darin, alles in Grund und Boden zu schreiben, was einem nicht gefällt. Die Palette dieser Dinge zeichnet sich bei jedem von uns durch Vielfalt aus. Meistens ist es aber so, dass wir unliebsame Sachen lieber ignorieren oder uns kurz über sie aufregen und dann wieder ein anderes, erfreulicheres Thema finden.

Etwas kompliziert stellt sich da die Sache mit dem Sportblog der "Saarland Community" dar. Dieser gehört zu einem der "20 cent Saar"-Blogs, die also von Journalisten betrieben werden, von denen man meinen sollten, dass sie Medienprofis sind. Nachdem zunächst der Stadionsprecher des FCS II, Stefan Regel über das Sportgeschehen bloggte, hat diese Funktion vor einiger Zeit Caroline Biehl übernommen. Und seitdem fällt die Berichterstattung über den FCS eigentlich alles andere als positiv aus.

Nun gut, vielleicht wird nun der ein oder andere jetzt denken: "Na lass sie doch! Ist doch ihr Blog und ihre Meinung!"
Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn Caroline Biehl sich grade in Bezug auf den FCS für eine objektivere Berichterstattung begeistern könnte. Immerhin ist sie Journalistin und betreibt keinen reinen Hobby-Blog (so wie ich es z.B. tue). Ihr letzter Beitrag mit dem Titel "Zahlen müssen die Kleinen" bediente dabei nicht zuletzt auch alte Vorurteile gegenüber der FCS-Fanszene, was mich dazu brachte als Leser einen etwas längeren Kommentar zu schreiben, den ich auch an dieser Stelle veröffentlichen möchte:

Liebe Caroline,

deine Abneigung gegenüber dem FCS ist ja mehr als offensichtlich, wenn man dieses Blog hier verfolgt. Jedoch sollte man als Journalistin doch differentziert genug berichten können, ohne dass einem ein FCS-Fan einfach so daher kommt und mal eben schnell erklärt, was an einem Blogeintrag wie diesem hier purer Nonsens ist.

Zunächst einmal hat der SC Hauenstein aus freien Stücken den Spielort gewechselt, obwohl sie über ein Stadion verfügen, dass schon vor Jahren in der Regionalliga für ein Spiel gegen den "großen FCS" ausreichte, mit all seinen "Unberechenbaren". Dort hätte man auch vor 1.500 Zuschauer eine Begegnung austragen können. Der Sinn einer Spielverlegung erschließt sich hier nicht wirklich.
Desweiteren haben solche kostspieligen "Sicherheitsmaßnahmen", wie z.B. ein Baustellenzaun in Wirges, oftmals den gegenteiligen Effekt. Die Gäste wurden eingepfercht wie Tiere, hatten die Sicht auf das Spielfeld durch Ordner und einen Zaun versperrt und hinzu kam, dass von den scharfen Kanten des Zauns ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko ausging. Man muss kein Soziologe sein, um vorhersagen zu können, dass bei entsprechendem Alkoholspiegel und entsprechenden Provokationen die Agression geschürt wird.
Dass die FCS-Fans in Hauenstein für eine Oberligabegegnung Preise zahlen mussten, die man normal in der 2. Bundesliga bezahlt, war dabei nur eine weitere Schikane gegen die FCS-Fans, die sich leider noch vielerorten alten Vorurteilen ausgesetzt sehen. Ich will keinesfalls Gewalt beim Fußball relativieren, jedoch sollte man sich am Saisonanfang orientieren. In Neunkirchen herrschte auf beiden Seiten eine entspannte Atmosphäre, ein "laisser-faire", von dem alle nur profitieren konnten. Aber leider sieht es in der Mehrzahl so aus, dass mit Kanonen auf Spatzen gefeuert wird und Fußballfans selbst in der Oberliga nicht der volle Umfang ihrer Grundrechte eingestanden wird.

Eine differenzierte Berichterstattung verlangt auch, dass man die Blickwinkel beider Seiten betrachtet. Vereine wollen ein friedliches Spiel und möglichst viele Zuschauer (und die verbundenen Einnahmen) und die Fans wollen ihrerseits respektiert werden und sich in ihrem Fandasein frei entfalten. Dass hier immer die Hooligan-Keule geschwungen wird, wenn es darum geht, Schlagzeilen zu erhaschen, ist bitter.


Ich hoffe dass ich jetzt nicht zu sehr die blau-schwarze Brille aufhatte, als ich diese Worte verfasste. Denn ich hasse einseitige Berichterstattung.

Montag, Oktober 22, 2007

In der Ruhe liegt die Kraft!

"Typisch Eff-Zeh!"
"Jedes Johr dasselwe!"
"Isch gehn die Gurkentruppe nimmeh gugge!"


So könnten sinngemäß die Kommentare vieler gelautet haben, die am vergangenen Samstag der zweiten Saisonniederlage in Pirmasens beiwohnen mussten. Und eigentlich ist die Reihenfolge ja immer diesselbe: das Spiel ist grauenhaft, der Schiedsrichter miserabel, der Platz ein Kartoffelacker und erst dann sind die Spieler "Söldner" und "Arbeitsverweigerer". Dann ist aus den "jungen Wilden" der letzten Woche eine Truppe von "Schönwetterfußballern" und "Rumpelfüßlern" geworden. Wenn dann erst einmal das Totschlagargument gebracht wird, dass man auf seiner Arbeitsstelle bei ähnlicher Leistung wie der des FCS in Pirmasens sehr schnell seine Papiere abholen könnte, erschließt sich auch dem entferntesten Beobachter, dass beim letzten Spiel irgendwas nicht gestimmt hat.

Aber:
Ich kann dieses endlose Geseiere einiger Zuschauer nicht mehr hören, die sich selbst zu den Netzers und Dellings der Biertheke erkoren haben und über den FCS richten, als sei der Verein gerade ein weiteres Mal eine Liga nach unten gewechselt.
Dem ist nicht so!
Es ist immernoch ein unumstößliches Faktum, dass trotz eines Etats von 2 Mio. Euro und trotz eines kompetenten Trainer-/Managergespanns es keine eingebaute Sieggarantie für den 1. FC Saarbrücken gibt (obwohl die einige am liebsten in den DFB-Statuten verankern würden). Außerdem ist die Mannschaft trotz einiger erfahrener Spieler als Kollektiv eher jung und noch dementsprechend lernfährig auftritt. Zur Erfahrung gehören neben atemberaubenden Erfolgen nämlich auch bittere Niederlagen, aus denen man oftmals mehr lernt als aus jedem Kantersieg. Es ist nun die Aufgabe von Michael Krüger und seinen Assistenten aus den Niederlagen und der schwächelnden Form der FCS-Elf die richtigen Schlüsse zu ziehen und personell und im Training dementsprechend zu reagieren. So könnte dies auch für etablierte Spieler bedeuten, dass mal ein Ersatzspieler den Vorzug erhält. Ein Konkurrenzkampf wirkt sich anregend auf die Leistung der Spieler aus und könnte bei dem ein oder anderen das Engagement der ersten Spiele wiedererwecken, welches naturgemäß nach zwölf Spielen ein wenig nachgelassen hat, sei es aus konditionellen oder psychischen Gründen.

Wenn wir uns jetzt selbst die Begeisterung nehmen, indem wir tagelang auf dieser Niederlage pochen und die Mannschaft in Grund und Boden reden, wird es grade für junge Spieler schwierig, dem Druck aus dem Umfeld standzuhalten. Mit einem Punktedurchschnitt von 2,0 liegt man derzeit gut im Rennen um die Aufstiegsplätze und hat das Soll erfüllt. Die Kritik muss jetzt intern und zielgerichtet erfolgen, nicht mittels irgendwelcher sinnleeren Parolen, die der Mannschaft an den Kopf geworfen werden und niemanden weiterbringen. Man darf sich einfach nicht so aufführen, als ob die Verantwortlichen nicht die Fehler der Mannschaft erkennen könnten und darauf reagieren.

Abschließen will ich mein Plädoyer für ein kritisches, aber dennoch besonnenes und vernünftiges Umfeld mit einem alten Sprichwort, welches in der derzeitigen Situation die einzig richtige Losungsformel für den FCS sein kann:

In der Ruhe liegt die Kraft!

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Haue in Pirmasens

Nach einer spielfreien Woche (in der Zwischenzeit gab es ein erfolgreiches Testspiel der ersten Mannschaft und ein eher durchwachsenes Ergebnis beim U21-Länderpokal in Duisburg für das Saarland) steht kommenden Samstag endlich wieder ein Auswärtsspiel in der Oberliga an. Eigentlich sollte man es besser "Spiel auf neutralem Boden" nennen, wobei sich dann Fragen aufwerfen, ob die Schuhstadt Pirmasens nicht eher eine Abneigung gegen den FCS hegt oder ob es nicht doch eine Art Heimspiel für Blau-Schwarz wird. Fest steht, dass man in Hauenstein schon frühzeitig in der Saison bekanntgab, einen anderen Austragungsort für das Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken zu suchen. Auf den ersten Blick scheint das verständlich, hat der FCS doch in der Oberliga Südwest mit Abstand die meisten Schlachtenbummler zu bieten und die Sportplätze in Hauenstein (warum führt die Webseite von Hauenstein hier u.a. einen Felsen auf?) nur den durchschnittlichen Anforderungen entsprechen.
Andererseits verklärt sich diese ganze Posse zum Ärgernis für die FCS-Fans, die hohe Eintrittspreise (ein Stehplatz kostet 8,50 €; in Saarbrücken zahlt man 6 €) in Kauf nehmen müssen und schon vor Spielbeginn als potenzielle Randalierer abgestempelt werden, was sich auch darin äußert, dass es eine Liste von erlaubten und verbotenen Fanutensilien gibt, was wohl einmalig für ein Spiel des SC Hauenstein ist. "Viel Lärm um nichts", wenn man bedenkt, dass schon Anno 1996 vor 700 Zuschauern in der Regionalliga in Hauenstein gekickt wurde. Das Spiel ging damals mit 1:2 verloren.

Sucht man den Bezug zum FCS im Kader des SC Hauenstein, so wird man schnell fündig: der mittlerweile 38-jährige Wolfgang Flick gehört seit Jahren zur Stammbesetzung des Oberligisten und hätte für den FCS im Jahre 1995 fast Pokalgeschichte geschrieben, als er kurz vor Ende der Begegnung gegen Eintracht Frankfurt den Ausgleich köpfte und das Spiel in die Verlängerung zwang. Dort musste man sich jedoch den Hessen geschlagen geben. Flick ist immernoch aktiv und mit seinen drei Toren zweitbester Torschütze der Hauensteiner. Dies vermag schon viel über die derzeitige Situation auszusagen: mit 14 Punkten belegt man den zwölften Tabellenplatz und hält sich dabei gerade noch über den abstiegsbedrohten Rängen.

Für den FCS steht dagegen in Pirmasens eine Pflichtaufgabe an. Da an diesem Wochenende auch Eintracht Trier gegen den FK Pirmasens spielt, ergibt sich die Chance, bei einem Sieg der starken Moselländer den Vorsprung auf Platz 5 auszubauen. Einiges wird davon abhängen, wie die Auswahlspieler des FCS den Länderpokal in Duisburg körperlich verkraftet haben. Im Sturm bieten sich weiterhin die Alternativen in Form von Schug und Özgün an, welcher gegen Mayen sehr engagiert wirkte. Wenn es also im Moment einen Punkt gibt, um den man sich Gedanken machen müsste, dann ist es das Umfeld. Wo Erfolg ist, kommen die Neider ganz schnell und schon wenige Zeit nach Krügers Amtsantritt gibt es die ersten Wechselgerüchte. Verschiedene Quellen (Kicker, WAZ) berichten nennen Krüger als möglichen Nachfolger von Uwe Erkenbrecher in Lübeck. Von dieser Unruhe darf man sich weder beeindrucken , noch auf den Gedanken bringen lassen, das erfolgreiche Duo Krüger/Loos zerschlagen zu wollen. Was eine Trainerabwerbung verursachen kann, lässt sich leicht am Wechsel des Roland Seitz von Trier nach Paderborn nachvollziehen. Am Ende wirkte sich dies negativ auf die Leistung beider Mannschaften aus. Es gilt solche Zustände in Saarbrücken zu vermeiden und konzentriert auf das Ziel "Platz 4" hinzuarbeiten!

Sonntag, Oktober 14, 2007

Eine aussterbende Spezies?

Vor kurzem habe ich hier laut die Frage gedacht, warum es im Umfeld des 1. FC Saarbrücken nur ein Fanzine, "Der Rucksackfranzose"(DRF), gibt. Eigentlich ist die Frage und der Versuch, eine Antwort zu finden, derart interessant, dass ich ihr an diesem Spielfreie Wochenende einen ganzen Artikel in diesem Blog widme. Immerhin stehen viele Fußball-Blogs in der Tradition der Druckerzeugnisse, die langsam, aber stetig aus den Stadien verschwinden.

'fanzines' von Carsten_FCS

Früher gab es vor fast jedem Stadion in Deutschland diese seltsamen Typen, die jeden Besucher anquatschten und dabei irgendwelche Heftchen im DIN A5-Format hochhielten. Wenn man sich dann einmal gegen den Kauf des Stadionheftes, das sowieso zur Hälfte aus Werbeanzeigen besteht, entschied und tatsächlich eines dieser "Fanzines" erwarb, wurde einem meist klar, welche Schätze die Fankurve doch bietet. Neben unorthodoxen Spielberichten, meinungsbildenden Betrachtungen, bissigen Satiren und unkonventionellen Interviews wurde einem doch die Seele des Fandaseins in Worten geboten. Doch genau diese verrückten Typen, die ihre Freizeit opfern, um regelmäßig ihre Gedanken in das gesamte Stadion zu tragen, verschwinden.
In Saarbrücken wird das vor allem bei Betrachtung der jüngsten Vergangenheit deutlich. Zu Spitzenzeiten der letzten beiden Jahre im Profifußball schaffte man es auf zwei Fanzines, von denen das "FCschweinegeil" nach der Erstausgabe bereits wieder aus dem Stadion verschwand, ohne die Mehrheit der Käufer überzeugen zu können. Auf der offiziellen Webseite des Magazins kündigte man nach mehr als einjähriger Pause zuletzt eine Rückkehr in digitaler Form an, wobei man sich auch auf diesem Terrain erst beweisen muss. Daneben existiert bis heute das Fanzine der Boys-SB, das DRF, welches es bis heute auf zwei Ausgaben gebracht hat und eher die Ultrà-Szene mit Spielberichten anspricht. Darüber hinaus gab es zu Zweitliga-Zeiten noch das "BAM-Heimspiel", welches als reines Infoblatt kostenlos verteilt wurde, aber mit vielseitigen Inhalten und Qualität überzeugen konnten. Leider verschwand es zusammen mit dem Bündnis Aktiver Molschder (BAM) und ist heute nur noch eine rosige Erinnerung. Seit der Saison 05/06 gibt es auch den DRF-Ableger namens "DRF-Kurvenlage", welcher die Besucher der Virage Est zu jedem Heimspiel mit den wichtigsten Informationen versorgt.
Unter dem Strich hat Saarbrücken also ein unregelmäßig erscheinendes Ultrà-Fanzine und ein Infoblatt. Wie erklärt sich dieses langsame Aussterben dieser Gattung, der Fanzines?
Wirft man einen Blick auf die derzeitige überregionale Situation, so ist Fußball-Literatur sehr gefragt und spätestens seit 2006 auch salonfähig geworden, was leider auch zu vielen schlechten Veröffentlichungen geführt hat. Dennoch gibt es mit der "11 Freunde" ein allseits bekanntes Magazin, dass sich ausschließlich mit Fußball-Kultur beschäftigt und auch die entsprechenden Autoren wie Arnd Zeigler oder Christoph Biermann, die zur literarischen Aufarbeitung des Fußballs beitragen. Doch wieso verschwinden die Fanzines?
Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst einmal von den Belastungen und Risiken des Lebens als Fanzineverleger sprechen. Ein solches Hobby kostet, wie so vieles im Leben, besonders viel Zeit und Nerven. Hinzu kommt die Ungewissheit, ob man in der entscheidenden Phase, dem Verkauf des Heftes, die Kosten für den Druck wieder einnimmt. Vor allem Fanzines außerhalb des Ultrà-Spektrums müssen mit dieser Ungewissheit leben, da diese sich nicht auf einen festen Kreis von Käufern und Unterstützern verlassen können und hier die Qualität über den Fortbestand eines Heftes entscheiden kann.
Eine weitere Ursache für den Schwund an Fanzines liegt im Wandel der Medien und den damit verbundenen Veränderungen im Anspruch der potenziellen Käufer. Mit der Verbreitung des Internets und den damit aufkommenden Online-Fanzines und Weblogs wurden die traditionellen Fanzine-Inhalte einer größeren Masse zugänglich. Jeder konnte innerhalb weniger Sekunden zum "Verleger" werden. Die Qualität steigerte sich im Laufe der Zeit und ersetzte somit für viele den Kauf eines Fanzines im Stadion. Genau aus diesem Grund erwies sich auch die Printausgabe von "Stadionwelt" als unwirtschaftlich und wurde eingestellt.
Außerdem sind bei der breiten Masse der Fußballinteressierten eher Bilder vom Geschehen in der Kurve gefragt, als eine kritische Auseinandersetzung mit der Vereinspolitik oder eine literarische Aufarbeitung der letzten Auswärtsfahrt. Während früher Fanzines die exklusivsten Bilder von Choreographien und Fanblöcken boten, gibt es heute hunderte von Webseiten, die sich allein diesem Thema verschrieben haben. Mit der Entdeckung von Videoportalen für den Fußball ist außerdem die Nachfrage an bewegten Bildern aus der Kurve so hoch wie nie, auch wenn diese meist qualitativ eher mäßig bis schlecht ausfallen. Beliebter als lange Texte sind Videos allemal.

Somit ist das gedruckte Fanzine zur Seltenheit im Stadion geworden und wird nur noch von Fußball-Romantikern geschätzt und gelesen. Die breite Masse ist bereits auf den Zug der Weblogs und Podcasts aufgesprungen, welche alle technischen Möglichkeiten und die Zukunft auf ihrer Seite haben. Aber vielleicht kommt ja der Tag, an dem die Fanzineverkäufer wieder mit vollbepackten Armen vor den Stadiontoren stehen und man gegen einen humanen Preis eines dieser magischen DIN-A5-Hefte erwerben kann. Mit einem Laptop gehen heutzutage nämlich nur die wenigsten in die Kurve. Informationen können da nur die Druckerzeugnisse geben.

Freitag, Oktober 12, 2007

Alternatives Fußballwochenende

Wie es viele Schüler in ihrer ersten Ferienwoche mit Schrecken festgestellt haben, so will ich es hier einmal niederschreiben: der FCS hat spielfrei! Bevor nun die Verzweiflung die Kontrolle gewinnt und man ernsthaft das Wochenende mit Tanzstunden, Skatrunden, Bergwanderungen oder ähnlichen Aktivitäten verplant, will ich doch ein paar Anregungen geben, wie man ein "alternatives Fußballwochenende" erleben kann (alternativ steht jetzt nicht unbedingt für Birkenstock oder langhaarige Frisuren).

'Sportfeld' von Carsten_FCS

Wenn der durchschnittliche Saarländer vom "Eff-Zeh" spricht, so kann man mit 99%iger Warscheinlichkeit davon ausgehen, dass die erste Mannschaft gemeint ist. Natürlich hat der FCS aber auch eine Zweitvertretung, die derzeitig in der Verbandsliga antritt und viele weitere Jugendmannschaften und nicht zuletzt eine sehr erfolgreiche Frauenfußballabteilung.
Wer trotzdem nicht auf die Oberligamannschaft des FCS verzichten möchte, sollte sich heute Nachmittag in sein Auto setzen und ins Luxemburgische Hautcharage (Gemeinde Bascharage) düsen, wo um 19.15 Uhr ein Testspiel gegen den UN Käerjéng 97 ansteht.
Verzichten muss der FCS dabei auf acht Spieler, u.a. Manuel Rasp und Tim Schwartz, die heute beim U21-Länderpokal in Duisburg das Saarland vertreten werden. Wem Luxemburg nicht reicht, der kann also vorher schon an die Sportschule Duisburg-Wedau fahren und dort um 16.15 Uhr das Saarland in seinem ersten Spiel gegen Berlin unterstützen.
Es gibt natürlich auch weniger aufwenige Möglichkeiten eine Alternative zum Besuch des Ludwigsparks zu finden. So bietet sich am morgigen Samstag sogar Bundesligafußball im FC-Sportfeld an! Die U17-Junioren unter der Leitung von Jens Kiefer treffen auf die TSG Hoffenheim, die entgegen aller Sensationseinkäufe ihrer Profimannschaft doch eine recht erfolgreiche Jugendabteilung haben. Wer also die Spieler sehen will, die vielleicht irgendwann einmal in der "richtigen" Bundesliga auf dem Platz stehen, sollte morgen um 15 Uhr am FC-Sportfeld hinter der Saarlandhalle sein.
Wer nicht auf den Ludwigspark verzichten will, muss dies allerdings auch nicht tun! Am Sonntag tritt die A-Jugend unter der Leitung von Harald Ebertz (Ex-Torwartidol, Jugendtrainer und Vizepräsident) gegen den FSV Salmrohr im altehrwürdigen Ludwigspark an. Die Pflichtaufgabe des Spitzenreiters der A-Jugend-Regionalliga Südwest gegen den Tabellenletzten beginnt dabei am Sonntag um 13 Uhr.
Wer lieber einmal die Bundesligamannschaft der FCS-Frauen sehen möchte, kann dies am gleichen Tag um 14 Uhr tun. Das Spiel gegen die klangvolle SG Essen-Schönebeck findet dabei, wie die meisten Spiele der Frauenabteilung, auf dem Saarbrücker Kieselhumes statt.
Um nicht vollkommen das Wochenende mit Blau-Schwarz zu verbringen, ist auch alternativ der Besuch eines lokalen Fußballvereins möglich (Beispiel). Die Klubkasse wird es freuen und dann sieht der Sportplatz auch wieder einmal ordentlich gefüllt aus!

Wer immer noch nichts für sich gefunden hat, der hat ja noch die Tanzstunden, die Skatbrüder oder einen netten Familienausflug. Da freut sich dann auch die Familie, wenn man mal aus Rücksicht (oder notgedrungen) nicht zum FCS geht. Die zwischenmenschliche Harmonie wird es danken und das nächste Spiel kommt gewiss.

Dienstag, Oktober 09, 2007

Was Carsten denkt (9)

Hallo FCSBlogleserinnen und -leser,

hier schreibe ich mal wieder einen meiner uninspirierten, zusammenhangslosen Beiträge, die zu allem Überfluss für diejenigen von euch, die überwiegend an Infos zum FCS interessiert sind, noch sehr persönlich sind. Ihr könnt also ruhig den Text passagenweise (oder gleich komplett) überspringen.

Nachdem der Monat September zunächst die Auszeichnung zur "Webseite des Monats" auf Saarkicker.de für unser FCSBlog bereit hielt, war irgendwann unser aller FCS selbst dann langsam entmystifiziert worden. Was haben wir uns nicht alles vom Derbymonat September erhofft, was am Ende nicht eintrat! Zuletzt kassierten wir sogar noch eine recht peinliche Niederlage in Mainz.
Schön ist es zu sehen, wie die meisten FCSler von diesen kurzzeitigen Rückschlägen unbeeindruckt bleiben. Das war nicht immer so!
Grade habe ich vom "Derbymonat September" gesprochen. Da war ja auch dieses Spiel in Homburg, was in der Presse mehr als heftig diskutiert wurde und am Ende zu einer Verhandlung vor dem Verbandsgericht des Fußballregionalverbands Südwest führte. Am Ende blieb der FCS ohne Strafe und der grün-weiße Verein aus der Randpfalz wurde wegen der mangelnden Sicherheitsvorkehrungen bestraft (Quelle)
Um es in einem Satz zu beschreiben:
Es scheint ja doch noch Gerechtigkeit auf dieser Welt zu geben!
Wer in Homburg war und die Kontrollpraxis im Gästeblock erlebt hat, wird dieses Urteil auch nachvollziehen können.

Schaut man sich den FCS an, so scheint inzwischen das Geschehen außerhalb des Spielfeldes wieder einmal das allgemeine Meinungsbild zu bestimmen und der Fußball, wie so oft, zu verblassen. Das fängt an mit angeblichen Ausschreitungen der FCS-Fans (die sich bei der Klatschpresse und Fußballhassern immernoch größter Beliebtheit erfreuen), tatsächlichen Dummheiten in Zügen der Deutschen Bahn (zur Erläuterung beachte man diesen Blogeintrag), führt dann über Kopfnüsse von Managern gegen Spieler hin zu der aktuellen Imagekampagne. Es ist also wie immer: der FCS wird gleichermaßen gehasst, wie geliebt in der Medienlandschaft angenommen.
In Sachen "Liebe kennt keine Liga!" habe ich am Montag im FCS-Fanshop zum ersten Mal seit langer Zeit wieder etwas gefunden, was ich mir dann auch wirklich angeschafft habe: der "Liebe kennt keine Liga!"-Schal.

'liebe_schal' von Carsten_FCS

Für den stolzen Preis von 12,50 € gibt es ihn also zu erwerben. Sicherlich ist er eines der besseren Produkte, die es in letzter Zeit im Fanshop zu erwerben gab, wenn man an die unsäglich peinlichen Kinderlätzchen denkt, mit denen im F-Block teilweise Leute jenseits der 40 herumlaufen. Der Schal kommt dagegen gerade zur rechten Jahreszeit.
Vielleicht trägt dieser Schal ja auch zur Beruhigung jener Enttäuschten bei, die sich vom FCS-Fanfoto der Woche auf fc-saarbruecken.de gelangweilt fühlen. So können selbst gut gemeinte Aktionen den gegenteiligen Effekt erwirken. Als Alternative biete ich da immernoch das Fanfoto im FCSBlog-eigenen "Newsletter aus dem Paralleluniversum" an, auch wenn es sich hier natürlich um Satire handelt (~_^).

So schließe ich heute diese Zusammenstellung von meinen Herbstferien-Gedankenströmen mit den essentiellen Fragen, die mir grade in den Sinn kommen:

-Warum wird die Relegation wieder eingeführt?

-Warum muss ich in den kommenden 1,5 Wochen noch knapp 300 Seiten "The Tortilla Curtain" von T. C. Boyle lesen, wo ich doch Ferien hab?

-Warum spielt der FCS in Pirmasens gegen Hauenstein?

-Warum gibt es außer dem "Rucksackfranzosen" kein anderes Fanzine in Saarbrücken?

Bis bald!

Carsten

Samstag, Oktober 06, 2007

Mit faulen Tricks nicht zu stoppen

Nach zuletzt mageren Leistungen auf dem Spielfeld, ersten Anzeichen einer baldigen Rückkehr aller Nörgler und Schwarzmaler und allgemeinem Frust sollte gegen Mayen wieder ein Dreier die Gemüter beruhigen.
Ich machte mich per Bahn Richtung Saarbrücken auf, wohl wissend um die aktuelle Streik-Situation, aber mit einer gehörigen Ungewissheit, ob ich denn um 11 Uhr meinen Bus zur Rückfahrt erreiche. Doch das sollte erstmal keine Rolle spielen, da zunächst einmal das Heimspiel anstand.
In einer Zeit, in der die gewohnten Kantersiege und der ansehnliche Kombinationsfußball ausbleiben, sind Treuesbeweise umso wichtiger. Im E-Block gab es diesen in Form einer Choreographie, welche visuell umsetzte, wie unsere Herzen wohl alle für den FCS schlagen, sodass wir uns auch von zwei Abstiegen in Folge nicht entmutigen lassen. Vor dem Standort der Virage Est prangte diesmal auch ein "Liebe kennt keine Liga!"-Banner der gleichnamigen Kampagne des Vereins. Wer hätte vor einem Jahr noch gedacht, dass wir einmal solche Szenen zu Gesicht bekämen? Im D-Block wurde neben der kürzlich eingeführten Blockfahne auch etwas Rauch präsentiert. Ob man damit dem Verein wirklich einen Gefallen tut, indem man eine weitere Geldstrafe riskiert?

'choreo_mayen' von Carsten_FCS

Bevor das Spiel angepfiffen werden konnte, wurde noch mit einer Schweigeminute dem kürzlich verstorbenen Karl Berg, seines Zeichens eine der Stützen der Mannschaft der 50er-Jahre, gedacht.
Zu Spielbeginn legte der FCS in einem Tempo los, wie man es von den ersten Heimspielen der Saison gewohnt war. Schon in der ersten Minute kam man zum ersten Torschuss und unterstrich, dass es keinesfalls an mangelnder Moral oder Selbstachtung lag, dass man in den letzten Spielen gegen die direkte Konkurrenz Punkte liegen ließ. Vielleicht lag der neue Tatendrang auch daran, dass Michael Krüger in der Startformation einige Veränderungen vornahm. Auf der rechten Abwehrseite durfte Alexander Otto seinen Einstand geben, nachdem er sich mit guten Leistungen in der 2. Mannschaft empfohlen hatte. Der angeschlagene Manuel Rasp nahm zunächst einen Platz auf der Ersatzbank ein. Dafür wirbelten die dribbelstarken Mike Frantz und Arifkaraoglan diesmal gleichzeitig. Mike Frantz nahn hierbei häufiger den Part neben Nazif Hajdarovic im Sturm ein.
Aber dann war es doch der aufstrebende Arif Karaoglan, welcher seine Chance nutzte und in der neunten Minute ein Tor erzielte, wie es gegen Pirmasens schon Manuel Rasp gelang: aus ungefähr 30 Metern hielt Karaoglan einfach drauf und der Ball senkte sich über dem gegnerischen Torwart wunderschön ins Netz - 1:0!
Es sollte nur wenige Minuten bis zur Vorentscheidung an diesem Abend dauern. Nach einer wunderbaren Kombination auf der linken Seite passte Kapitän Charly Haffner den Ball flach in die Mitte und fand in Julien Humbert den dankbaren Abnehmer, welcher aus kurzer Distanz zu seinem zweiten Tor in der Saison kam.
Auf Seiten der Gäste kam nur wenig von dem, was man ein Aufbäumen nennen könnte. Bis auf eine gefährliche Situation blieb Pascal Formann nahezu arbeitslos. Das Spiel machte der FCS, welcher noch zu mehreren guten Torgelegenheiten kam.

Auf den Rängen wurde im E-Block vor allem das in Internetforen heiß diskutierte "neue Lied" zum besten gegeben. Teilweise war es sehr nett anzusehen, wie D1 und Virage Est aufeinander eingingen und beim "Vorwärts Saarbrücken!" auch gemeinsam das weite Rund erzittern ließen. Leider flachte die Stimmung zunehmend ab und Probleme zwischen unterem Teil und oberem Abschnitt des D1 traten zum Vorschein. Auf Seiten der Virage Est war von einem der besseren, geschlossenen Auftritte zu sprechen.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein hitziges Duell zwischen zwei Mannschaften, von denen die unterlegene sich nur mit überhartem Einsatz zur Wehr setzte und die andere das Spiel machte. Angetrieben von einem überragenden Jonathan Zydko auf der linken Abwehrseite, über den wohl 90% der Angriffe liefen, kam der FCS im Minutentakt vor das gegnerische Tor. Dabei verpasste es das Schiedsrichtergespann rechtzeitig mit den Verteilen von Gelben Karten zu beginnen, sodass eine unfaire Mayener Mannschaft munter alles weggrätschte, was ein blau-schwarzes Trikot trug. So übersah der Unparteiische auch eine Grätsche von hinten im Mittelkreis, was bei entsprechender Regelauslegung eigentlich rotwürdig ist. So blieben die Mayener unbehelligt und die Saarbrücker stets gesundheitlich gefährdet. Das unfaire Klima auf dem Platz gipfelte darin, dass sich die Nummer 3 des TuS mit Manager Wolfgang Loos anlegte und von diesem attackiert wurde. Loos wurde aufgrund dieser Tätlichkeit auf die Tribüne verbannt, während der Spieler keinerlei Konsequenzen von sich trug. Doch damit war es noch nicht vorbei mit der unfairen Spielweise der Gäste.
Als Volkan Özgün nach einer Ecke den Ball auf die rechte, obere Torecke schoss, klärte diesmal die Nummer 2 der Mayener auf der Linie per Hand. Was 4800 Zuschauer nebst aller Spieler sahen, verschlief das Schiedsrichtergespann und entschied auf Eckball. Es ist müßig zu sagen, dass dem Gästespieler im Selbsterhaltungstrieb die nötige Ehrlichkeit und auch der nötige Anstand fehlte, um seine grobe Unsportlichkeit einzugestehen. So stahl er Özgüns erstes Saisontor und zu allem Überfluss gab es Gelb für den besten Mann auf dem Platz, Jonathan Zydko, da er sich berechtigterweise über diese Entscheidung beschwerte.
So blieb es bei einem überzeugenden und hochverdienten 2:0-Sieg, welcher die Wogen in Saarbrücken wieder ein wenig glättet.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich dennoch anführen: man muss sich ernsthaft fragen, wie im Stadion Stimmung aufkommen soll, wenn die meisten Stadiongänger erst alkoholisiert am Bahnhof ihr volles Potenzial entfalten und damit unnötigerweise den ganzen Betrieb aufhalten. Ganz ehrlich: warum singt ihr nicht im Stadion umso lauter mit? Diese Sinnlos-Sauf-Party-Mentalität einiger Leute(vor allem der Zugfahrer) bringt der Mannschaft keine Anfeuerung und ist reine Selbstdarstellung, die mich am Freitag fast meinen letzten Busanschluss in die Heimat gekostet hätte. Aufgrund eben jener Leute kam es zu einer zehnminütigen Verspätung, sodass ich am Bahnhof den besten Sprint meines Lebens hinlegen musste, um den bereits abgefahrenen Bus noch anzuhalten. Muss die Feierlaune der einen so zur Last der anderen fallen? Am Ende fühlte ich mich glücklich wie ein Olympiasieger im 100-Meter-Lauf, auch wenn mein Preis "nur" die Heimfahrt war.

'flutlichspiel_mayen' von Carsten_FCS

Donnerstag, Oktober 04, 2007

Angst essen Punkte auf

Seit nunmehr drei Spielen wartet der 1. FC Saarbrücken auf seinen siebten Saisonsieg und erstmals in dieser Saison erzielte er in drei Spielen hintereinander jeweils weniger als zwei Tore. Wie man das teilweise sehr sensibel reagierende FCS-Umfeld kennt, dürfte die ersten Blau-Schwarzen nun wieder die Angst packen und zu heftiger Kritik animieren. Doch erstmal halblang!
Mit dem TuS Mayen erwartet der FCS morgen im Ludwigspark eine Mannschaft, welche nicht unter die gefürchteten "Erzrivalen" in der Liga fällt. Gegen diese wurden bekanntlich viele Punkte vergeben. Dafür wartet aber auch eine Mannschaft, die nicht zu unterschätzen ist.
Der Verein aus der Stadt von Mario Adorf und Winni Schäfer ist seit Jahren eine etablierte Institution der Oberliga Südwest oder, ein Sportreporter wohl sagen würde, die "graue Maus" der Liga. Man pendelte sich in den letzten Spielzeiten zumeist in den unteren Gefilden der Tabelle ein und bewies eine gewisse Konstanz in Sachen Klassenerhalt. Auf bekannte Namen wird man beim Stöbern in der Vita von TuS Mayen selten stoßen, dafür liegt das Erfolgsrezept der letzten Jahre in der Langfristigkeit der Arbeit, so gehört u.A. Trainer Stefan Ruthenbeck dem Verein seit 1999 an. Auf der Homepage mit der klangvollen URL www.fussballvereintusmayen.de lässt sich schon jetzt erkennen, dass das Spiel in Saarbrücken für den Verein aus Rheinland-Pfalz ein Spiel vor noch nie dagewesener Kulisse sein wird.

Und an diesem Punkt setzen wir wieder mit unserem derzeit geknickten FCS-Selbstbewusstsein an. Natürlich gilt es für Michael Krüger und seine Mannen, aus den letzten Spielen die entsprechenden Lehren zu ziehen und dementsprechend umzusetzen. Dennoch sollte man sich von Mayen nicht im eigenen Stadion unter Druck setzen lassen, da dies nur die Angst bekräftigt und die eigenen Fehler überhaupt erst verursacht. Selbst den sechsten Tabellenplatz des TuS darf man nicht überbewerten, da bis jetzt alle Mayener Siege gegen Mannschaften eingefahren wurden, die bisher nicht große Aufstiegsambitionen hegen.
Wichtig wäre es, wenn morgen der FCS und auch einige Spieler, die bisher nicht oft zum Zuge kamen, gegen den TuS Mayen mit einer überzeugenden Vorstellung Selbstvertrauen tanken und das Punktekonto auffüllen. Nur auf diesem Wege lassen sich die Ziele für 2008 erreichen.

Links zum Thema:
- TuS Mayen in der Wikipedia
- Offizielle Homepage TuS Mayen
- Michael Krüger will an die guten Leistungen der Heimspiele anknüpfen (FCS-HP)

Dienstag, Oktober 02, 2007

Newsletter aus dem Paralleluniversum (4)

Hinweis: Auch diesmal handelt es sich hierbei um Satire. Die Meldungen geben keine tatsächlichen Ereignisse wider. Also nimmt es nicht zu ernst und genießt den "Newsletter" ;-)

Die wichtigsten Neuigkeiten und Informationen rund zum 03.10.2007

Fanproteste überschatten zehnten Spieltag

Saarbrücken - Nur zwei Tage nach der blamablen 0:3-Niederlage beim Spitzenreiter FSV Mainz 05 II gehen die Fans des 1. FC Saarbrücken auf die Barrikaden. Seit drei Spielen ist der FCS nun sieglos, das Eis für Trainer Michael Krüger wird dünner und die Fans haben die Nase gestrichen voll. Eine erste Welle der Unzufriedenheit äußerte sich in den rückläufigen Verkaufszahlen der "Liebe kennt keine Liga"-Aufkleber im FCS-Fanshop. "Isch sahn zwar aach, dass isch de Eff-Zeh noch in da Owwerliga guggen gehn, awwa isch hann gemennt die würde dóo aach gewinne. Wenn die so weidermache, geh isch die Söldna nimme gugge!", sagte einer der treuen FCS-Fans aus dem Fanblock gegenüber dem saarländischen Rundfunk. In den einschlägigen Internet-Foren wird zur Stunde über mögliche Formen eines Protests beraten. Während einige Gruppen verschiedene Modelle eines Stimmungsboykotts, von zehn Minuten Schweigen bis hin zu einem Fernbleiben vom Spiel, favorisieren, sprechen sich andere für einen "Michi H. come back!"-Banner auf der verwaisten Vortribüne der Gegengerade aus. So zeigt auch dieses Statement eines FCS-Anhängers, dass das Spiel gegen Mayen zur Vertrauensfrage für Michael Krüger gerät: "Was ware das noch Zeite, als mir de Ostermann als Präsident hatte, der sich immer für die Fans unn den FCS aufgeopfert hat unn danne noch de Didier als Trainer, enna von uns! Faschd alles echda Molschder! Besser wie die ganze Braunschweiger Bande dóo!"

Neues Halbzeitpausenspiel gesucht


Saarbrücken - Nach dem tragischen Verscheiden des allseits beliebten "Würzmobils", welches der Fanszene treue Dienste leistete, Anhänger gar mittels reiner Muskelkraft bis nach Elversberg beförderte und beim letzten Heimspiel endgültig den Geist aufgab, sucht der 1. FC Saarbrücken eine neue Beschäftigung für die Zuschauer während der Halbzeitpause. Vorschläge wie Schlammcatchen oder öffentliches an den Pranger stellen scheiterten dabei in der Auswahl wahlweise an moralischen Bedenken, der Anwesenheit Minderjähriger bei Heimspielen oder der Einhaltung der Menschenrechte.

Treffen der anonymen Ex-Saarbrücker

Saarbrücken - Am 04.10.07 findet um 18:30 im FC-Sportheim das monatliche Treffen der "Anonymen Ex-Saarbrücker" statt. Für diesen Abend sind bisher folgende Referate angekündigt:
-"Ich weiß, dass ich gut genug für die 2. Liga bin!" (Referent: Sebastian P.)
-"Vereinswechsel mit Perspektive" (Referent: Marc B.)
-"Zweikampf - das A und O der Defensive" (Referenten: Thorsten N. und Alexis G.)
Anschließend lustiges Beisammensein und Aufwärmen alter Anekdoten.


Fan-Foto der Woche im Paralleluniversumsnewsletter


'protest' von Carsten_FCS

Aufgenommen beim Spiel FCS vs. Rostock (2005). Aufgebrachte FCS-Fans verlassen den F-Block auf eine sehr unorthodoxe Art und Weise. Parallelen zum Mauerfall 1989 sind unverkennbar.

Exkurs: Was ist der "Tag der Deutschen Einheit"?

Seit dem 3. Oktober 1990 ist die Bundesrepublik Deutschland ein Land. Vorher waren das nämlich zwei, da gab es noch die Deutsche Demokratische Republik. Ganz früher war das, was wir heute unser "Saarland" nennen, zwar auch noch nicht Deutschland, aber das interessiert im "Reich" ja sowieso niemanden mehr(was uns Saarländer nicht vom "Fünfzigen" abhält, obwohl man auch "Sechzigen" könnte).
Jedenfalls gab es vor 1990 diesen Arbeiter- und Bauernstaat, dessen langjähriger Staatsratsvorsitzender Erich Honecker aus dem Saarland stammte. Das führt zu der bei heute bei jüngeren FCS-Fans weitestgehend unbekannten Tatsache, dass bei jedem Spiel gegen einen sogenannten "Ostverein" mindestens einmal der alte Schlager "Erich war ein Saarländer" gesungen wird. Die meisten D-Block-Gänger kennen die DDR selbst wohl nur von den Sparwasser-Replika-Trikots, welche im Vorfeld der letzten Weltmeisterschaft in inflationärem Maße den Weg in die Kaufhäuser fanden.
Für den FCS bedeutete der Fall der Mauer unter anderem Falko Götz, Jens Gerlach und Duelle gegen Ostvereine in der 2. Liga (siehe "Erich war ein Saarländer"). Viel mehr gibt es darüber wohl auch nicht zu berichten. Jedenfalls ergibt sich damit ein freier Tag um morgen die 2. Mannschaft in ihrem Spiel gegen Völklingen zu unterstützen! Also: DANKE für die Deutsche Wiedervereinigung!

Montag, Oktober 01, 2007

Neues Fanradio

Es geht wirklich nichts über das Erlebnis eines Fußballspiels im Stadion. Die einen zieht es auf die Tribüne, der freien Sicht oder Überdachung wegen, die anderen stellen sich auf ein Bier mit Bekannten zusammen und diskutieren 90 Minuten unentwegt, während wiederum andere sich direkt in den Stimmungskern des Fanblocks stürzen und das Stadion mit Gesängen füllen. Dann gibt es da noch diejenigen unter uns, die den verschiedensten Gründen nur selten oder sogar nie einem Fußballspiel der eigenen Mannschaft beiwohnen können.
Zumindest in Sachen FCS gibt es nun per Internet-Radio die Möglichkeit, stets über das aktuelle Stadiongeschehen informiert zu sein. Da ich bei der 0:3-Niederlage in Mainz selbst nicht vor Ort sein konnte, hatte ich die Gelegenheit, mir selbst ein Bild von dieser Neuerung im Internet-Angebot des FCS zu machen.

Moderation:

Die Ankündigung, dass die beiden Stadionradiomoderatoren Christoph Tautz und Frank Falkenauer aus Mainz berichten sollten, mag im Vorfeld zu einigen Bedenken geführt haben, da beide schon einiges an Kritik einstecken musste, nicht zuletzt wegen der Arbeit im heimischen Ludwigspark (vielleicht werden sich einige Frauenverbände an den "Frauentag" der letzten Regionalligasaison erinnern). Als ich das Radio einschaltete und gerade über Mike Frantz' letztwöchigen Frisörbesuch sinniert wurde, hielt ich alle schlimmsten Befürchtungen bereits für eingetreten. In der Folgezeit erwies sich das Duo Falkenauer/Tautz jedoch als souverän und bestens informiert. Neben den Namen aller Spieler waren selbst kleinste, interessante Details bekannt und wurden regelmäßig an den Zuhörer weitergegeben. Beim Lattentreffer des FCS ließen die beiden Moderatoren auch nicht die nötige Leidenschaft die vermissen, die ein gelungenes Fanradio ausmacht. Spieltechnisch ruhige Abschnitte wurden mit kleineren Gesprächen über verschiedene Themen überbrückt, auch wenn der Stadionneubau wohl nicht von Bedeutung sein sollte, wenn man gerade in der Oberliga spielt. Aussprüche wie "Was zieht der für eine Fresse." bei der Auswechslung von Hajdarovic bewiesen dann doch das Einfühlungsvermögen der Moderatoren in die sujektive Fansicht. Insgesamt zeigten Falkenauer und Tautz eine gute Vorstellung und haben einen ersten Maßstab für die kommenden Kommentatoren im Fanradio. Laut der letzten Sendung werden nämlich abwechselnd immer neue Stimmen im Fanradio zu hören sein.

Technik:

Erste Irritationen waren nach Download der benötigten Software aus der Welt geschafft. Leider störte ein leichtes Rauschen und Surr-Geräusch die Übertragung ein wenig.

Musik:

Natürlich ist Musik Geschmackssache. Aber die musikalische Untermalung der Live-Übertragung kann mit einem Wort charakterisiert werden: unpassend. Ernsthaft: wer möchte während einem Fußballspiel plötzlich mit sanften Balladen oder Liebesliedern terrorisiert werden? Selbst wenn es warscheinlich Richtlinien der GEMA sind, die zu Musik von teilweise erschreckender Qualität geführt haben, sollte da doch beim nächsten Mal die Auswahl ein wenig mehr durchdacht sein. Musik beim Fußball sollte doch ein wenig in Richtung Stadionrock orientiert sein. Immerhin fehlte im Webradio (vollkommen zurecht) Ballermann-Party-Mucke, wie sie zu Klemmschen Zeiten hemmungslos durch die Lautsprecher des ehrwürdigen Ludwigsparks gedröhnt wurde.

Interviews:

Ein nettes, unerwartetes Extra waren die Interviews während der Übertragung des Fanradios. So konnte man in der Halbzeitpause Werner Weiß, seines Zeichens Trainer der Ligakonkurrenten aus Trier, für ein Gespräch gewinnen. Auch mit Präsident Horst Hinschberger plauderte das Kommentatoren-Team munter, während dieser wohl weitere Sympathiepunkte bei den Zuhörern gewann.

Atmosphäre:

Lobenswerterweise gelang es dem Fanradio, während der gesamten Übertragung die Atmosphäre im Stadion am Bruchweg einzufangen und diese an den heimischen Computer zu transportieren. Das kommentierte Geschehen wurde stets von den Reaktionen der Stadionzuschauer begleitet. Auch die lautstarken "Schieber"-Rufe werden wohl dem ein oder anderen Zuhörer ein Lächeln abgerungen haben. Bestimmte Rufe wie "Auf die Fresse!" blieben dabei jedoch wohl bewusst unkommentiert.

Fazit:

Die Fanradio-Premiere verlief durchwachsen, konnte jedoch in den essentiellen Bereichen wie Kommentar und Atmosphäre punkten, was die teilweise furchterregenden musikalischen Einlagen vergessen macht. Insgesamt wirkte die Übertragung doch schon sehr routiniert und wird in den kommenden Spielen ledeglich an Kleinigkeiten feilen müssen. Für Exilsaarländer und alle anderen "Nicht-Stadiongänger" stellt das Fanradio jedenfalls eine gelungene Verbindung zum FCS dar.

Samstag, September 29, 2007

Nicht zum Narren halten lassen!

Sicherlich nicht der letzte große Belastungstest, wohl aber der letzte richtig dicke Brocken steht für den FCS beim Gastspiel am Bruchweg an: die Reserve des FSV Mainz 05.

Auch wenn es nicht "das Spitzenspiel zwischen den bisher ungeschlagenen Teams aus Mainz und Saarbrücken" sein wird, wie es die Saarbrücker Zeitung(SZ) in ihrer charmanten Unkenntnis der Tabelle vergangene Woche betitelte, bleibt es doch ein richtungsweisender Vergleich der Aufstiegsaspiranten. Vor dem zehnten Spieltag sind es drei Punkte und ein Tor, welche die Landeshauptstädte in der Tabelle voneinander trennen. Ein Sieg würde für die Blau-Schwarzen also ein Überholen der Mainzer bedeuten. Gleichzeitig könnte man zur Trierer Eintracht aufschließen, welche mit 26 Punkten die Tabelle anführt, nach zwei Unentschieden nun entmystifiziert scheint. Vor allem das mutige Auftreten der Köllerbacher in Trier, welches nach dem 2:2-Unentschieden vollkommen zurecht mit einem Punkt belohnt wurde, hat der Oberliga gezeigt, dass auch Trier keine Übermannschaft ist.
Was die SZ nicht weiß (oder auf der Suche nach einer passenden Schlagzeile glatt übersehen hat), ist dass der FSV Mainz 05 II längst seine erste Niederlage kassiert hat. In Worms mussten sich die Mainzer einem anderen Aufstiegsanwärter geschlagen geben.

Aus diesem Grund wartet keine Übermannschaft auf den FCS, wohl aber eine dieser lästigen Zweitvertretungen der Profivereine, die hauptsächlich für ein geringes Zuschauerpotenzial bekannt sind, im Zweifelsfall aber in der Lage sind, den etablierten Traditionsvereinen das Leben zur Hölle zu machen.
Der 1. FC Saarbrücken ist in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind. Um dies zu verdeutlichen, müssen wir zurück auf den 15.05.2004 blicken, den Tag, der eigentlich alle Aufstiegshoffnungen der Blau-Schwarzen zu Grabe trug.
Nachdem die mutige Entscheidung Eugen Hach als FCS-Trainer wegen Erfolglosigkeit zu Entlassen und gleichzeitig Horst Ehrmantraut als dessen Vorgänger/Nachfolger zu installieren immerhin sieben Punkte aus drei Spielen gebracht hatte, sollte am 31. Spieltag in Mainz eine weitere Weiche Richtung Zweitklassigkeit gestellt werden. Horst Ehrmantraut selbst mussten die Mainzer noch aus der Hinrunde in besonders unangenehmer Erinnerung geblieben sein: die desolate Leistung seiner Mannschaft bei der 0:3-Heimniederlage gegen die kleinen Mainzer bescherte ihm die Beurlaubung und dem FCS Eugen Hach als Trainer.
Der Auftritt in Mainz geriet zur erneuten Blamage, da ein grandios aufspielender Christian Wetklo und ein Spielzug der Gastgeber reichten, um den FCS zu besiegen. Nach dem Spiel war die Stimmung im Gästeblock eindeutig: diese Mannschaft hat versagt! Und auch wenn sich die Herren um Oliver Schäfer an diesem Tage viele Kritik anhören musste, so hatten sie doch Glück, dass gleichzeitig die Konkurrenz aus Wehen patzte. Die Aufstiegsentscheidung wurde vertagt und fiel letztlich, aufgrund der Mithilfe von Gegnern, dem lieben (Fußball-)Gott, Christian Stuff und Peter Eich doch noch zugunsten des FCS aus.

Am Sonntag der sich der FCS von der Mainzer Reservemannschaft nicht erneut zum Narren halten lassen. Topstürmer Zouhair Bouadoud hat zwar seit dem fünften Spieltag nicht mehr getroffen, jedoch verfügt Mainz über eine ähnlich aktive Offensivabteilung wie der FCS: schon 28 Tore erzielten die Rheinhessen. Interessant ist hierbei, dass man auch in der Defensive bisher wenig Grund zum Meckern hat: mit nur vier Gegentreffern besitzt Mainz derzeit die beste Defensive.
Diese gilt es für die Mannen von Michael Krüger zu knacken. Vielleicht wird diese Aufgabe anstelle von Manuel Rasp, dessen Einsatz gefährdet ist, ja Marcel Schug oder Volkan Özgün zufallen. Beide sind wieder einsatzbereit und müssen ersteinmal um einen Platz in der Anfangsformation kämpfen. Was wäre da ein besserers Empfehlungsschreiben als ein Tor in Mainz?
Jedoch sollte man als geneigter FCS-Fan die Möglichkeit der ersten Saisonniederlage nicht so weit verdrängen, dass man im Fall der Fälle aus allen Wolken fällt und auf Mannschaft und Trainerstab schimpft: dieser Tag wird kommen, auch wenn der Zeitpunkt noch nicht feststeht! Was die Mannschaft braucht ist eine Welle der Unterstützung, welche die anhaltende Euphorie im FCS-Umfeld unterstreicht und andauern lässt.

Links:

- Einsatz von Rasp fraglich (fc-saarbruecken.de)
- Vorbericht auf sr-online.de

Samstag, September 22, 2007

Schema F (wie immer)

Den Verlauf mancher Spiele scheint man bereits aus dem Schema F zu kennen. Alle Klischees werden bedient und hemmungslos umgesetzt, während man sich am Ende insgeheim denkt: "Hätte man schon vorher wissen können." Genau solch ein Spiel stellte das lang erwartete Duell zwischen dem FCS und der Trierer Eintracht dar.

'fcssve1' von Carsten_FCS

Am Geburtstag von Nazif Hajdarovic (Wir wünschen natürlich alles Gute!) sollte das Kräftemessen zwischen Tabellendrittem und Spitzenreiter dann stattfinden. Da man in Trier bekanntermaßen größere Fanmassen zu bewegen vermag, als es in Köllerbach oder Mechtersheim der Fall ist, war es auch nicht sonderlich, dass einige hundert Trierer anreisten. Die meisten Auswärtsfahrer hatten sich für die altbewährte Bahn entschieden, und so konnte man kurz nach 13 Uhr den Tross der Moselfranken mit einem standartmäßigen "Anti-SB"-Banner sehen. Wie immer.

Zu diesem Zeitpunkt begann sich der Ludwigspark nach und nach zu füllen. Nach den jüngsten Euphorieschüben war es nur eine Frage der Zeit, bis der Zuschauerschnitt wieder steigen würde. Wie immer. Nach offiziellen Angaben fanden sich 8.800 Zuschauer im Ludwigspark ein, während es optisch auch mehr Menschen gewesen sein könnten. Nach dem Verzehr eines (wie immer) ausgezeichneten Schwenkers war es dann auch schon Zeit für den Anpfiff. Am Stadionzaun vor dem D-Block fanden sich zu diesem wichtigen Spiel (wie immer bei solchen Spielen) mehr Zaunfahnen ein und auch die Anzahl der Fans im traditionellen Fanblock schien Zuwachs bekommen zu haben. Der E-Block wies die gewohnte Anzahl an Leuten auf und zum ersten Mal seit langer Zeit schaffte es ein Gästeteam, den C-Block ordentlich mit eigenen Anhängern zu schmücken.

'fcssve2' von Carsten_FCS

Zu einem Spiel von solch eminenter Wichtigkeit gab es, wie immer bei Spielen dieser Art, eine besondere Aktion seitens des Vereins zu bewundern. Im D-Block fand sich eine Überziehfahne mit dem neuen Motto "Liebe kennt keine Liga", begleitet vom Schriftzug eines Sponsors, ein. Wie immer bewirkte dies eine Grundsatzdiskussion zum Thema Sponsorverträglichkeit bei Fanaktionen, Kommerzialisierung des Fußballs im Generellen und auch interene Querelen des einst berühmten Fanblocks wurden über diese Fahne ausgebreitet. Am Ende wurde die Fahne dann doch ausgerollt.

'fcssve3' von Carsten_FCS

Weißer Rauch bedeutet nicht immer die erfolgreiche Wahl eines neuen Papstes. Es kann auch für ein Spiel mit der Beteiligung von Eintracht Trier stehen. Der Rauch, welcher diesmal im Gasteblock gezündet wurde, erwies sich als besonders hartnäckig und hüllte das Spielfeld in dichten Nebel. Nach einer kurzen Pause konnte das Spiel beginnen.

Mit den altbewährten Kräften begann der FCS wie immer mit einem ruhigen Aufbauspiel und wollte vor allem eine allzu frühe Führung des Tabellenführers vermeiden. Fast wäre das aufgrund eines viel zu laschen Abwehrverhaltens gescheitert. Die Saarbrücker Abwehr ließ ihren Gegenspielern viel Platz, was zu mehreren Schüssen aus mittlerer Distanz führte, welche aber allesamt das Tor verfehlten. Das Spiel des FCS nach vorn war zu diesem Zeitpunkt beständig, aber noch nicht wirklich torgefährlich, abgesehen von einer Chance, die Manuel Rasp ans Außennetz setzte. Entscheidend ändern sollte sich die Partie in der 27. Minute, als ein Freistoß von Mike Frantz von halblinks Richtung Tor getreten wurde. Der Ball segelte über die gesamte Trierer Hintermannschaft und als man ihn schon verloren glaubte, stand da noch Geburtstagskind Hajdarovic und köpfte den Ball millimetergenau ins Netz ein. Ein Tor, wie es schöner nicht sein kann.

Betrachtete man das Stimmungsbild auf den Rängen, so war dieses weder abgrundtief schlecht, noch überragend. Es war wie immer in der Lautstärke zeitweise eine mitreißende Atmosphäre vorhanden, aber grade in der Durchgängigkeit mangelte es. Auch im D-Block schien es zeitweise in der Abstimmung zwischen unterem und oberem Teil der Ränge zu hapern.

Wie es (leider) fast immer in solchen Spielen der Fall ist, schienen sich die Blau-Schwarzen auf ihrer Führung ein wenig auszuruhen und ließen in der zweiten Halbzeit die Durchschlagskraft vermissen, mit welcher man Pirmasens wegputzte. Trier kam besser ins Spiel, erarbeitete sich trotzdem nur wenige gefährliche Chancen. Irgendwann kam dann (wie immer) ein unnötiger Elfmeter den Gästen zuhilfe und setzte den Schlusspunkt in der Partie. Pascal Formann war gegen den perfekt geschossenen Elfmeter von Müller schlicht machtlos, auch wenn er sich für die richtige Ecke entschied. Mit Arif Karaoglan, Marcel Schug und (erstmals) Volkan Özgün wurden zwar noch drei Offensivkräfte eingewechselt, jedoch blieb es beim Unentschieden, da zwei Großchancen in der Endphase des Spiels nur knapp den Weg ins Tor verpassten.

Wie immer wird dieses Spiel wohl von vielen als Punktverlust gewertet. Allerdings sollte man der Mannschaft weiterhin den Rücken stärken. Was sind schon zwei Spiele ohne Sieg, wenn man dabei gegen direkte Konkurrenten Punkte holt? Das Soll ist bis jetzt erfüllt und mit dem Wissen, dass der FCS irgendwann auch wieder ein Spiel verlieren wird, müssen wir leben. Bis dahin sollte man vor allem einen kühlen Kopf bewahren und der Mannschaft und dem Trainerteam die Arbeit damit erleichtern. An eines scheint sich die Mannschaft nämlich noch anpassen zu müssen: Derbys. Irgendwann wird auch die Reaktion auf ein solches Spiel aus dem berühmten Schema F kommen.

Freitag, September 21, 2007

Ankunft der Moselindianer

Wenn am morgigen Samstag um 14.30 Uhr die beiden Mannschaften den Rasen des altgedienten Ludwigsparks betreten und zum ersten Mal seit dem 22. Mai 2005 ein Kräftemessen zwischen dem 1. FC Saarbrücken und der Eintracht aus Trier stattfindet, ist eines klar: in den nun folgenden 90 Minuten wird eine Serie reißen.

Die Auswahl an Serien, die gebrochen werden könnten, scheint schier unerschöpflich. Sowohl der FCS als auch Trier könnten ihre erste Niederlage erleben. Die Moselfranken könnten bei einem Unentschieden zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison Punkte verlieren. Der FCS könnte erstmals weniger als drei Tore in einem Heimspiel schießen, die Eintracht ihrerseits erstmals mehr als ein Gegentor in einem Spiel kassieren. Es ergeben sich also genug Möglichkeiten, mit denen sich ein Berufsstatistiker stundenlang beschäftigen könnten. Dazu bleibt jetzt nicht mehr allzu viel Zeit, also betrachten wir dann doch lieber den Gegner.

Seit dem 22.05.2005 hat sich in Trier viel bewegt. Es begann mit einer kleinen, körperlichen Auseinandersetzung zwischen Fan und Trainer, die nebst einem vermeidbaren Abstieg das Ende der Ära Paul Linz einläutete. Das Trierer Urgestein kam beim 1. FC Saarbrücken nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus, sodass man am Ende den bitteren Gang in die Regionalliga antreten musste. Zuvor hatte man eigentlich immer keine allzu schlechte Rolle in der 2. Bundesliga spielen und hatte zeitweise "große" Namen wie Nico Patschinski, Harry Koch oder Milorad Pekovic in den eigenen Reihen. Doch wie schon oft zuvor war eine Zusammenstellung guter Solisten nicht immer eine homogene Mannschaft. Was nach dem Abstieg aus dem Profifußball in Trier passierte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Den sofortigen Wiederaufstieg im Blick, wollte man mit dem unerfahrenen Michael Prus das durch Hamburg und Schalke populär gewordene Erfolgsmodell "Ehemaliger Spieler wird ins kalte Wasser geworfen" übernehmen, was ziemlich misslang. Feuerwehrmann Eugen Hach konnte mit seinen Ex-FCSlern Christian Stuff, Nobutaka Suzuki und Peter Buljan die Katastrophe nur noch verschlimmern und die Trierer Eintracht rutschte noch eine Liga tiefer nach unten.
Stellvertretend für eine Schilderung der Ereignisse, die in der Saison 2006/2007 in Trier passierten, nenne ich hier einmal alle Übungsleiter:
Roland Seitz, Marco Pezzaiuoli, Adnan Kevric, Herbert Herres, Werner Kartz.

Stichwort Trainer: seit dieser Saison befindet sich mit Werner Weiß ein ausgewiesener Fachmann auf der Trainerbank von Eintracht Trier. Der ehemalige Trainer von Borussia Neunkirchen hat mit seiner Truppe bisher die maximale Punktausbeute erreicht und hat damit schon einen guten Abstand zu den Nichtaufstiegsplätzen. Auf Saarbrücker Seite kann man dies leicht zum Anlass nehmen, auf den berühmten Schlendrian in der Trierer Mannschaft zu hoffen. Tatsächlich macht Trier den Eindruck, meist nur knappe und hart umkämpfte Siege zu erringen. Auch die Namenlosigkeit der Mannschaft, die fehlenden, überragenden Individualisten, lassen uns Trierer als mittelmäßigen Gegner, zusammengestellt aus einem Haufen Nobodys(bis auf Thorsten Wittek), erscheinen. Ein Blick auf die Tabelle sollte genügen, um diesen Schein als Trugbild zu entlarven. Dem FCS steht der bisher gefährlichste Gegner ins Haus!

Das heißt für unsere (saarländischen) Blau-Schwarzen, dass man sich vor allem auf die Abwehrstärke im heimischen Ludwigspark besinnen muss, aber auch weiterhin mit schnellen Kontern über Spieler wie Frantz agieren muss. In Reaktionsschnelle und Ausdauer dürfte sich dieses, auf dem Papier ausgeglichene, Spiel am Ende entscheiden. Man kann sich nur wünschen, dass Nazif Hajdarovic an seinem 24. Geburtstag besonders motiviert auftritt. Zur Not sollte Trainer Krüger aber auch einmal das Experiment wagen und auf die Karte der Unberechenbarkeit setzen. Gerade gegen den Tabellenführer, vor einer Kulisse von bis zu 10.000 Zuschauern, würden sich auch Marcel Schug oder Volkan Özgün in besonderer Weise empfehlen wollen.

Links zum Thema:

- Eintracht Trier in der Wikipedia
- Offizielle Seite Eintracht Trier
- Spieltagsvorschau auf sr-online.de

Dienstag, September 18, 2007

Newsletter aus dem Paralleluniversum (3)

Hinweis: Auch diesmal handelt es sich hierbei um Satire. Die Meldungen geben keine tatsächlichen Ereignisse wider. Also nimmt es nicht zu ernst und genießt den "Newsletter" ;-)

FCS-Spieler in Équipe Tricolore berufen


Paris - Nach der jüngsten 0:1-Niederlage gegen Schottland steckt der französische Fußball ein weiteres Mal in einer tiefen Krise. Nationaltrainer Raymond Domenech hat vor dem Schicksalsspiel auf den Färöer Inseln personelle Umbesetzungen durchgeführt. So wurden die Spieler Charles Haffner, Julien Humbert und Jean-Claude Mpassy in den Kader des Vizeweltmeisters berufen. Domenech begründete seine Entscheidung wie folgt: "Ich habe mon ami Didier Philippe angerufen und um Rat gebeten. Er 'at mir sofort einige Spieler ans Herz gelegt. Nachdem uns Alexis Genet abgesagt 'atte und sich Marco Geb'ardt und Stéphane Kling nicht einbürgern lassen wollten, 'aben wir einfach direkt in Sarrebruck angefragt."


Zusätzliche Tribünen zum Heimspiel gegen Trier!

Saarbrücken - Die Erwartungen vor dem Spiel 1. FC Saarbrücken - SV Eintracht Trier am kommenden Samstag überschlagen sich. Bis zu 50.000 Zuschauer werden im Ludwigspark erwartet. Für dieses Spiel werden in allen Stehblöcken Zusatztribünen aus Stahlrohren aufgestellt, welche dem hohen Andrang gerecht werden sollen. Angeblich verhandele man sogar mit dem Veranstalter, Halbzeitskarten einzuführen, d.h. wer das komplette Spiel sehen will, muss zwei Karten zum vollen Preis erwerben. Wer keine Karte für die zweite Halbzeit besitzt, müsse das Stadion verlassen.

Homburg setzt Zeichen im Kampf gegen Verkehrschaos und Umweltverschmutzung

Homburg/Saar - Als Konsequenz des Oberligaspiels FC 08 Homburg - 1. FC Saarbrücken hat der Stadtrat gravierende Änderungen an der Verkehrssituation Homburgs beschlossen. "Der organisatorische Aufwand eines Oberligaspiels wurde nicht gemeistert, was sollen wir also tun, wenn unser FCH wieder Bundesliga spielt", hieß es seitens eines Sprechers der Stadt. So wird ab dem 1. Oktober jede Straße entweder in eine Spielstraße oder in eine Fußgängerzone umgewandelt. Um weiterhin einen reibungslosen Verkehrsablauf zu gewährleisten, überarbeitet man derzeit Konzepte, in Homburg einen Berechtigungsschein für das Führen von Tretrollern und Rutschautos zu etablieren.

Mit dem Fanbus zum Public-Viewing!

Saarbrücken/Spiesen-Elversberg - Wer keine Karte für das Spiel des FCS gegen Trier ergattert hat, musst nicht gleich die Flinte ins Korn werfen! Der ANF(Anonyme Nudelsalat-Fetischisten) Saarbrücken e.V. setzt Linienbusse zum Public Viewing ein!
In echter Stadionatmosphäre wird die Chance geboten, das Spiel auf einer Großleinwand im Waldstadion Kaiserlinde in Elversberg zu verfolgen. Das Stadion bietet Platz für 7.120 begeisterte Zuschauer. Der Eintritt ist frei, ledeglich die Beförderungspauschale kostet 6 €. Jeder Fahrer erhält zusätzlich die "Nudelsalatcard", welche 15 % Ermäßigung auf jede Portion Nudelsalat, die in Bussen der ANF gekauft wird, gibt. Als Bonusprämie gibt es ein Paar Wiener für Vielesser. Nichts wie auf nach Elversberg und Fußballstimmung in gepflegtem Ambiente genießen!

Fan-Foto der Woche im Paralleluniversumsnewsletter

'hom 008' von Carsten_FCS

Saarbrücken - Jede Woche präsentieren wir an dieser Stelle ein Fan-Foto. Diese Woche hat sich die Jury für diesen Schnappschuss aus Homburg entschieden. Es zeigt einen Teil des Gästeblocks und eine Spielszene auf dem Rasen des Waldstadions, welches gerade von weißem Rauch verdeckt wird.
Wer selbst sein Foto in dieser Rubrik sehen möchte, der schicke es an blog@saarlandfcs.de. Die Jury wird sich jede Woche für ein besonders gelungenes Meisterwerk entscheiden.

Samstag, September 15, 2007

(K)ein normales Ligaspiel

Kein Fußballspiel hat in letzter Zeit schon im Vorfeld die Medien so bestimmt wie das Saarderby zwischen dem FC 08 Homburg und dem 1. FC Saarbrücken. Doch war dieser ganze Aufwand für diesen Abend im Spätsommer 2007 wirklich gerechtfertigt?

Entgegen der kurzen Bahnstrecke nach Homburg, entschloß ich mich per Fanbus anzureisen, vorwiegend aus naheliegenden Gründen. Wieso muss man ein Fußballspiel an einem Arbeits- und Schultag um 18.15 Uhr stattfinden lassen? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Spiel gleich an einem Sonntagnachmittag stattfinden zu lassen?
Jedenfalls nahm so das ganze Saarderby gegen 16 Uhr für mich seinen Beginn, als es mit einem proppenvollen Linienbus Richtung Saarpfalzkreis ging. Dies war gleichbedeutend mit einem Überkopfsprung in das Verkehrschaos Homburgs. Wer einmal zu einem Spitzenspiel per Auto oder Bus nach Homburg fährt, wird das Gefühl in dem Moment, wenn die Ampel von Rot auf Grün springt, schätzen lernen. Als gefühlte sieben Ampeln passiert waren, ging es durch die Homburger Ringstraße und man war schon fast am Waldstadion angekommen. Auf dem Weg zum Waldstadion befindet sich noch ein Ascheplatz, der vornehmlich von den Jugendmannschaften verwendet wird. Ein paar Rufe, etwas Rennerei und mir wurde klar, dass ich gerade ein erstes, kleines Aufeinandertreffen zwischen Homburgern und Saarbrückern der gewalttätigen Art. Ein kurzes Spektakel, welches von der Polizei beendet wurde. Der erste Eindruck bestätigte meine Erwartungen, dass an diesem Abend ein etwas anderer Wind wehen würde. Durch ein Meer von Saarbrückern bahnte ich mir den Weg zum Gästeblock.

Dort angekommen erfuhr ich ungeahnte Sicherheitsmaßnahmen. Während die Leibesvisitation in Neunkirchen routinemäßig verlief, musste ich in Homburg selbst meinen Geldbeutel öffnen und wurde peinlichst genau kontrolliert. Erneut wurden meine Batterien als bedrohliche Waffe einkassiert. Bemerkenswert war dabei die sinngemäße Aussage eines Ordners, dass Kontrollen immer auf diese Weise durchgeführt werden sollten. Ob eine Gesichtskontrolle dabei auch sinnvoll ist, sei dahingestellt. So kamen viele Leute ohne Abtasten ins Stadion. Nach Ende des Spiels bestand ich jedenfalls auf die Rückgabe meiner Batterien, auch ohne Pfandmarke.
Im Stadion selbst fiel zunächst auf, dass der Gästeblock zwar schon ordentlich gefüllt war, aber die Zugfahrer immernoch auf sich warten ließen. Nachdem diese dann noch rechtzeitig eintrafen, konnte es mit dem Derby losgehen.

'hom 3' von Carsten_FCS

Während der FCS-Anhang zu Beginn nicht mit den speziellen, verbalen Nettigkeiten in Richtung Homburg geizte, hatte man auf der Heimseite für das Derby einige Pappstinkefinger gebastelt, welche eher belächelt wurden. Scheinbar war gerade irgendwo orangenfarbene Pappe im Angebot.
Zu Spielbeginn zeigte sich dann die Ineffektivität aller Sicherheitsmaßnahmen: im Gästeblock wurden Rauchbomben und Bengalische Lichter gezündet. Zu diesem Zeitpunkt kamen in mir Zweifel darüber auf, ob die Sicherheitsmaßnahmen in diesem Maße gerechtfertigt waren. Was nützen scharfe Kontrollen, wenn man die "bösen" Ersatzbatterien eines Hobbyfotografen findet, aber die Pyrotechnik passieren lässt.
Da ich ungefähr in der Mitte des Gästeblocks stand, war die Sicht wegen des Rauchs zu beschränkt, um zu erkennen, was auf dem Platz passierte. Irgendwann wurde dann klar: der Schiedsrichter pfiff die Spieler vom Platz zurück. Es ist müßig zu erklären, dass die pyrotechnischen Entwicklungen im Gästeblock Auslöser dieser Maßnahme waren. Nach einer vierminütigen Verspätung wurde dann endlich (endlich!) Fußball gespielt.

'sonne1' von Carsten_FCS

Auf einer grünen Fläche, welcher der Name "Rasen" eher schmeichelte, verlief der Spielbeginn mit Vorteilen für den FCS. Schon früh wurde das Tor von Thorsten Hodel unter Druck gesetzt. Dieser reagierte jedoch meist hellwach und vereitelte eine frühe Führung des FCS. Der FC Homburg konzentrierte sich in der ersten Halbzeit darauf, nicht einzubrechen und ließ den FCS das Spiel bestimmen. Die Blau-Schwarzen verpassten jedoch aus einigen guten Chancen in Führung zu gehen. In der 40. Minute ließ dann Nazif Hajdarovic mit einem weiteren Tor ganz Homburg verstummen und ca. 6000 Saarbrücker brachen gleichzeitig in Jubel aus. Ein weiteres Mal wurde Pyrotechnik gezündet.
Lange hielt die Freude über die Führung leider nicht an: nach einer Flanke in den Saarbrücker Strafraum stieg Hajdarovic hoch und ging ungeschickt mit dem Arm zum Ball. Keine Frage, der Elfmeter war berechtigt. Ex-Saarbrücker Michael Petri ließ es sich nicht nehmen, selbst anzutreten. Den schwachen Elfmeter konnte Pascal Formann zunächst parieren, jedoch fiel der Ball erneut vor die Füße von Petri, welcher im zweiten Versuch keinen Fehler mehr machen konnte. 1:1 zur Halbzeit.

In der zweiten Halbzeit verlor das Spiel fast vollkommen seinen Derbycharakter. Der FCS baute zunehmend ab, während der FCH konsequent hinten dicht machte und sich nur noch auf das Kontern verließ. Die beiden Torhüter, Pascal Formann und Thorsten Hodel, wurden nun zu den herausragenden Akteuren, auch wenn sie in ihrer Position gewissermaßen als "Spielverderber" gelten müssen. Jedenfalls verhinderten beide den Rückstand für ihre eigene Mannschaft und zeigten gute Leistungen. Dass der FCS nun abbaute, lag einerseits an einer gewissen Ideenlosigkeit im blau-schwarzen Mittelfeld, andererseits an der übertriebenen Härte, mit der die Homburger zu Werke gingen. Der Schiedsrichter entschied hierbei mehrmals in merkwürdiger Art und Weise und hätte die Gelbe Karte öfters zeigen können. Am Ende steht ein gerechtes Unentschieden in einem schwachen Ligaspiel.
Trotzdem war es schön anzusehen, dass auch nach diesem Spiel die Mannschaft ihre Verbundenheit zu den Fans zeigte und sich bei den Mitgereisten bedankte.

Zur Stimmung müssen aber noch einige Worte verloren werden: natürlich ist es klar, dass auch in einem Derby, bei dem locker 6000 Gästefans anwesend sind, nicht jeder an einer akustischen und optischen Unterstützung der Mannschaft interessiert sind. Nur dann sollten diese Leute so konsequent sein und lieber die Lücken im Nebenblock füllen, anstatt andere Fans zu nerven. In die Nähe der Supportwilligen verirrten sich auch in Homburg leider wieder Gestalten, welche bei höchstens 10% der Fangesänge mitmischten und sonst nur durch Meckerei über die eigene Mannschaft ("Den dó kann isch nimme siehn!") oder andere Blocksteher ("Nemm die Fahn dó runna! Mir wulle es Schbill siehn!") auffielen.
Liebe Leute, die ihr nur dann auswärts fährt, wenn es gegen einen Rivalen geht oder der Ort um die Ecke liegt: bitte bleibt in Zukunft zuhause! Fußball ist nicht eure Welt!
Dass die Stimmung für ein Derby eher dürftig war und nur selten die gesamte Kurve zum Anfeuern animiert wurde, ist leider auch kein Geheimnis. Auf Homburger Seite schien es aber an denselben Stellen zu kranken. Masse ist eben nicht automatisch Klasse.

Erschöpft von einem anstrengenden, aufregenden Freitag ging ich an einem zerstörten Getränkestand und umgekippten Miettoiletten zurück Richtung Bus. Es war zwar kein Krieg, aber eben doch kein normales Ligaspiel.

Donnerstag, September 13, 2007

Über die gemeinsame Vergangenheit in die Zukunft

Zum Abschluss unseres Countdowns zum Spiel in Homburg gibt es hier noch den Vorbericht:

Wenn man so will, dann hat die Vergangenheit beide Vereine eingeholt. Wie vielseitig diese Aussage deutbar ist, erkennt man erst auf den zweiten oder dritten Blick. Da wäre zunächst einmal die Vergangenheit beider Saar-Clubs, die sich sehen lassen kann. Neben dem FCS und Borussia Neunkirchen kann sich der FC 08 Homburg zu dem exklusiven Kreis der bisherigen Bundesligisten aus dem Saarland zählen. Insgesamt brachten es die Grün-Weißen auf drei Spielzeiten im Oberhaus des deutschen Fußballs und waren dabei bis zum Aufstieg der SpVgg Unterhaching offiziell der Bundesligaverein, der bisher aus der kleinsten Stadt kam. Interessanterweise kam es nie zu einem Duell in der Bundesliga zwischen FCS und FCH, wohl aber zu einigen Auseinandersetzungen in den gemeinsamen Zweit- und Regionalligaspielzeiten.

'FCS_Derby_a' von Carsten_FCS

Eine ausgezeichnete Bilanz im DFB-Pokal steht auch noch in der Vita des FCH: insgesamt dreimal erreichte man das DFB-Pokalviertelfinale und wurde mehrmals zur Endstation für Bayern München.
Dass die gemeinsame Vergangenheit beide Vereine endgültig eingeholt hat, wird vor allem an einer Personalie deutlich: Hartmut Ostermann.
Unter Hartmut Ostermann wurde sie geboren, die Idee der Kräftebündelung an der Saar mit dem Ziel eines saarländischen Profivereins. Ziel war es, den FC Homburg als Talentschmiede in der Regionalliga zu halten und den 1. FC Saarbrücken im Profifußball die Flagge des Saarlandes präsentieren zu lassen. Es ist kein Geheimnis, dass die Beziehung zwischen den Saarpfälzern und der Landeshauptstadt noch nie sehr freundschaftlich war, jedoch war spätestens seit dem Jahre 1998 der FCS in Augen der Grün-Weißen Hauptschuldiger am Niedergang des FCH und das, obwohl die FCS-Fangemeinde selbst dem Kooperationsvertrag mit gemischten Gefühlen gegenüberstand. Nur die wenigsten ehemaligen Homburger konnten sich im Haifischbecken Saarbrücken durchsetzen und trugen tatsächlich zum Aufstieg 2000 unter Klaus Toppmöller bei. Als größtes Missverständnis des Kooperationsmodells kann man wohl Uli Sude nennen, welcher wohl heute mit dem jüngeren Beispiel Michael Henke vergleichbar wäre. In Homburg hat man dem FCS nie das Jahr 1998 verziehen. Umso größer war die Schadenfreude, als der FCS selbst unter dem Ex-FCH-Präsident Ostermann in die Oberliga durchgereicht wurde. Die Kooperation bestand aus Nägel ohne Köpfen und neun Jahre später stehen beide Vereine schlechter als zuvor dar, während Ostermann sein Glück nun beim SV Wehen-Wiesbaden versucht. Ihm haftet ledeglich der Ruf an, am Niedergang des Saarfußballs nicht unschuldig zu sein

Das letzte Aufeinandertreffen beider Vereine im Waldstadion zu einem Ligaspiel liegt freilich lange zurück. Die Partie vom 27.02.1999 endete dabei mit einem torlosen Unentschieden. Ein kleines Wiedersehen feierte man zuletzt am 31.03.2004, als der FCS auf seinem Weg zum Saarlandpokal im Viertelfinale im Homburger Waldstadion Zwischenstopp machen musste. Das Spiel fiel in die recht kurze Ära des Trainers Eugen Hach und wurde mit 4:1 gewonnen. Zweimal traf Rückkehrer Sambo Choji, komplettiert wurden die Tore von Gunter Thiebaut und Taifour Diane. Will man ein jüngeres Duell als Grundlage für eine Prognose zum Spiel nehmen, so muss man sich des letzten Auftritts des FCS II in Homburg bedienen. Mit zwei Treffern in letzter Minute sicherte sich unsere Zweitvertretung den Auswärtssieg. Mit Mpassy, Rasp und Hajdarovic, welcher das 2:0 erzielte, standen damals drei Spieler auf dem Platz, welche in der diesjährigen Stammformation zu finden sind.

Der FCS wird am Freitagabend aus dem Vollen schöpfen können. Interessant ist auch die Frage, ob Michael Krüger zum Derby Volkan Özgün debütieren lassen wird. Immerhin scheint dieser seine Verletzung auskuriert zu haben. An einem wird der FCS-Trainer jedoch nicht vorbeikommen: Mike Frantz. Mit den beiden Treffern gegen Mechtersheim darf sich das Jungtalent große Chancen auf einen Platz in der Startelf machen. Krüger deutete bereits an, dass er mit der endgültigen Entscheidung bis zum Schluss warten wird. Auf Homburger Seite ist man auch größtenteils für das Derby gerüstet.
Man kann nur hoffen, dass die junge FCS-Elf weiterhin wild entschlossen, in den richtigen Momenten jedoch abgeklärt und ruhig auftritt. Bisher ging dieses Rezept voll auf. Falsch wäre es, wenn man Homburg unterschätzt. Mit dieser psychologischen Komponente wird man auf Heimseite auch das ein oder andere Gedankenexperiment gefasst haben. Am wichtigsten (und schönsten) wäre es jedoch, wenn sich die Blau-Schwarzen von einer Atmosphäre, die ähnlich wie in Neunkirchen sein wird, einfach mitreißen lässt!

'FCS_Derby_b' von Carsten_FCS

Links zum Thema:

- Vor dem Lokal-Derby in Homburg (fc-saarbruecken.de)
- FC 08 Homburg in der Wikipedia
- Interview mit Krüger und Warken (fchomburg.com)

Mittwoch, September 12, 2007

FCS-Zitat der Woche (11)

Es gibt wohl keinen besseren Anlass für die Wiederbelebung des FCS-Zitats der Woche als ein bevorstehendes, richtungsweisendes Derby zweier Vereine, die zuletzt vor acht Jahren gegeneinander antraten. Niemandem muss man hierbei erklären, dass es sich um das lang erwartete Duell zwischen dem FC 08 Homburg und unserem 1. FC Saarbrücken handelt. Da ein solches Spiel weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus Aufmerksamkeit erregt, fallen schon im Vorfeld naturgemäß dutzende von Aussagen. Vieles davon ist Standartvokabular, einiges langweilig und nur wenige Perlen wirklich beachtenswert. Und genau ein Zitat zum Thema "Derbycharakter" hat es zum FCS-Zitat der Woche geschafft, auch wenn es vom Trainer des FCH stammt.

Wir sind es ja gewohnt, dass in Zeiten medialer Fülle selbst vor einem Oberligaspiel ein reichhaltiges Angebot an Meinungen zur Verbreitung bereit steht. Das Sahnehäubchen stellt dabei immer der Part dar, an dem die Trainer zum Interview gebeten werden. Trotz vielseitiger Möglichkeiten klingen diese Statements (was hat dieser Anglizismus in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen!) leider oftmals monoton und scheinen griffbereit in der Schublade zu liegen, sodass der betreffende Journalist leichtes Spiel bei der Fertigstellung des Endprodukts hat. Insgeheim stelle ich mir das so vor, wie das Aufeinandersetzen von Bauklötzchen.
Ein wenig abwechslung bringt es da, wenn man die Verantwortlichen in einem Verein zu ihrer Gemütslage bezüglich eines Derbys befragt, welches nicht grundlos zu verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen geführt hat. Auf sr-online.de findet sich unter der Überschrift "Es ist ein Spiel, kein Krieg" einen Artikel von Patrick Reitler, welcher sich mit der Brisanz des Spiels Homburg - Saarbrücken beschäftigt und neben Michael Krüger und Wolfgang Loos auch Gerd Warken zu Wort kommen lässt. Bei vielen Aufrufen zu einem "Fußball-Event", das "freundschaftlich" und fair ablaufen soll, schwingt auch die Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen in dem Artikel mit. Eine Aussage von Gerd Warken sticht dabei jedoch heraus:

"Ich weiß, es ist ein frommer Wunsch, aber ich wünsche mir, dass (...) es (...) keine Hassgesänge gibt."
- Gerd Warken (Trainer FC 08 Homburg)


Es ist wirklich ein mehr als frommer, aber gleichzeitig unerfüllbarer Wunsch, dass mit einem Schlag ausgerechnet beim mit Spannung erwarteten Derby des Jahres beide Fanlager katholischer als der Papst werden und auf die "Hassgesänge" verzichten. Immerhin werde diese schon seit Wochen in Abwesenheit des jeweiligen Lokalrivalen bei eigenen Spielen in voller Lautstärke gesungen. Von Unglückswünschen über Niveaulosigkeiten bis hin zu recht banalen Auswüchsen ist in dieser Gattung fast alles vertreten. Und um an die eigene Ehrlichkeit zu appellieren: was wäre schon ein Saarderby ohne eine gesunde Portion Rivalität, Abneigung und Hasstiraden (körperliche Gewalt einmal ausgenommen)?

Die Antwort, die man auf Warkens Wunsch bezüglich des Verzichts auf Hassgesänge geben muss, ist alt und dennoch zeitlos. Es ist die Äußerung des langjährigen Liverpool-Trainers Bill Shankly zur Sunday Times aus dem Jahre 1981, die schon mehr als oft zitiert wurde und in diesem Fall wieder seine Anwendung findet:

"Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!"