Dienstag, Juli 10, 2007

Mitgliederversammlung

Saarbrücken, Saarlandhalle 09.07.2007.

Es ist kurz nach fünf, als ich am Gelände des Ludwigsparks angekommen bin. Einige Meter von mir entfernt macht sich auch Reinhard Klimmt auf den Weg zum Eingang der Saarlandhalle. Aus der Menschenleere hinaus geht es in den Vorraum der Halle, wo mich ein hohes Aufgebot von Ordnungspersonal erwartet. Einer Kontrolle werde ich nicht unterzogen, sondern freundlich darauf hingewiesen, dass ich den Mitgliedsausweis im Nebenraum erst vorweisen muss. Dort angekommen gehe ich an einen der vier Tische und trage mich in der Liste mit meinem Namen ein. Zusätzlich muss ich noch meinen Mitgliedsausweis und meinen Personalausweis vorzeigen. Dafür erhalte ich vier verschiedenfarbige Wahlzettel, Essens- und Getränkebons für je zwei Euro und einen Kugelschreiber.

'fcs07 036' von Carsten_FCS

In einem weiteren Nebenraum lässt sich bereits unschwer erkennen, dass hier der offizielle Teil des Abends stattfinden wird. Grüne Stühle füllen den Raum, der saarländische Rundfunk hat bereits ein Kamerateam aufgebaut, FCS-Fahnen hängen an den Wänden und unter dem Banner mit der Aufschrift "1. FC Saarbrücken e.V." sind das Rednerpult sowie die reservierten Plätze für die Vereinsoberen. Langsam treffen die Protagonisten des Abends ein: Ebertz, Hinschberger, Weller, Klimmt und Meiser. Die Räumlichkeiten füllen sich mit Mitgliedern, die meisten davon im Anzug. Der Ansturm auf die Veranstaltung ist mit augenscheinlich 400 Menschen recht groß. Unter ihnen sind auch einige Virage-Est-Leute, welche, eigens mit passenden T-Shirts erschienen, sich neben den Pressevertretern niederlassen.

Als Klaus Meiser die Verantstaltung offiziell einläutet, ist die Zeit bereits fortgeschritten. Hartmut Ostermann lässt sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen. Es folgt die erste längere Rede, die nicht wirklich viel Interessantes in sich birgt. Die Stimmung im Saal ist dabei noch ruhig, da man auch weiß, dass die interessanten Punkte der Tagesordnung erst später anstehen. Schier endlose Reden sind der erste Teil des Programms, gefolgt von Ehrungen verdienter Mitglieder. Der erste Programmpunkt, der genaueres Zuhören lohnt, ist der Bericht des Präsidiums. Klaus Meiser wiederholt zunächst den Inhalt vieler vorheriger Interviews, in welchen das hervorragende Abscheiden der Frauen- und Jugendabteilung gelobt wurde. Natürlich stünde der FCS in keiner so auswegslosen Situation, wie es oft dargestellt, und ohne das Engagement von Hartmut Ostermann ginge es dem Verein bedeutend schlechter, lässt Meiser verlauten. Um den Bericht des Präsidiums mit Zahlen zu versehen, darf Dieter Weller erläutern, mit welchen Etats der Verein in die kommende Saison geht. Dieser liegt insgesamt bei ca. 2,8 Mio. Euro, wovon allein 2 Mio. Euro für die 1. Mannschaft eingeplant sind. Mit dem restlichen Geld werden Verbandsligamannschaft, Frauen-, Jugend- und Tischtennisabteilung bezahlt. Selbst Klaus Meiser scheint die Summe wohl ungewöhnlich hoch zu erscheinen, da er zunächst davon ausgeht, dass sich der Gesamtetat auf 2 Mio. Euro belaufen würde. Desweiteren hat der Verein laut Weller keine offenen Kredite, könne aber auch keine Kredite annehmen, was auf die Kirch-Krise zurückzuführen ist.

Im Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Klimmt wird erneut vieles, was längst gesagt wurde, paraphrasiert und der persönliche Standpunkt miteinbezogen. Den Mitgliedern hält Klimmt vor Augen, dass im Falle einer Nichtwahl des Aufsichtsrats der Verein keinerlei Alternativen hat, was von einigen Mitgliedern als "Friss oder stirb!" gedeutet wurde. De facto hat Klimmt jedenfalls recht, da es keine anderen Vorschläge an den Ehrenrat gab. Jedenfalls ist damit eine weitere Wahlempfehlung gegeben.

Danach folgen zahlreiche Berichte zu den einzelnen Abteilungen, die sich im Inhaltsschema gleichen. Immer wird auf die erfolgreiche Arbeit aller Beteiligten unter finanzieller Unterstützung des Hauptsponsors verwiesen, wofür es immer von denselben Personen Beifall gibt. Ich entziehe mich für diesen langweiligen Teil des Abends des Geschehens und gehe meine Essens- und Getränkebons einlösen.

Interessant wird es bei der "Aussprache zu den Berichten". Die erste Frage dreht sich darum, ob das (für die Oberliga hohe) Budget denn auch abgesichert ist. Anstelle einer klaren Antwort bekommen wir erneut Vorträge von Weller und Meiser mit der Erkenntnis, dass man zwar nicht voll abgesichert, aber optimistisch ist. Danach meldet sich ein älterer Herr zu Wort, welcher fast rührend Kritik am Vorstand übt und vollkommen zurecht großen Applaus erntet. Doch wie erwartet wird erneut repetiert und repetiert. Es folgen Fragen zum Sponsoring und der entstandenen Abhängigkeit. Diese werden meist mit dem schwierigen Prozess, Sponsoren aus dem Saarland zu finden, beantwortet.

Nachdem der, von der DFB-Mustersatzung vorgesehene, Wahlmodus kritisiert wird, erstarkt die Forderung nach einer Satzungsänderung. Es folgt eine Frage nach dem Ehrenrat, welche für große Verwirrung sorgt. Wann wurde der Ehrenrat zuletzt gewählt und wie wird er gewählt?
Das Besondere an dieser Frage ist die Tatsache, dass in der Satzung kein Wort über ein Wahlverfahren zum Ehrenrat steht. "Ad hoc" kann niemand die Frage beantworten und die Beteiligten am Rednerpult werden nervös. Nach einer Wartezeit ist zumindest klar, dass der Ehrenrat 2004 nach Verabschiedung einer DFB-gemäßen Satzung gewählt wurde. Klar ist nun auch, dass nur bei Ausscheiden eines Mitglieds aus dem Ehrenrat eine neue Personalie in dieses Gremium aufsteigen kann. Jedenfalls scheint in Sachen Vorbereitung auf solche Fragen bei MV noch ein dringender Nachholbedarf zu bestehen.

Die Kritik wird immer lauter, sodass sich irgendwann auch die Verteidiger des Aufsichtsrats und Präsidiums zu Wort melden. Totschlagrgumente wie "der Vorstand steht nicht auf dem Platz" oder "Söldnertruppe", wie sie seit Wochen auch auf ludwigspark.de publiziert werden, ziehen die Fragestunde so in die Länge, dass einige Mitglieder ungeduldig werden. Schließlich will man ja noch sein Bierchen trinken. Also wird irgendwann relativ flott festgestellt, dass es keine Fragen mehr gibt und die Vorstellung von Horst Hinschberger beginnt.

Hinschbergers Vorstellung ist dabei kurz, aber prägnant. Kämpferisch betont er den hohen Stellenwert des FCS, will neue Sponsoren an den Verein binden (was würde Herr Meiser dazu sagen?) und will bis Jahresende die Mitgliederstärke auf 2500 Leute bringen. An Ehrgeiz scheint es ihm also nicht zu fehlen. Als er seine Wunschvorstellung für den FCS in mehreren Jahren offenbart, kommt zum Glück nicht das befürchtete Wort "Bundesliga", jedoch der Begriff "Modell Saarbrücken", was wiederum überaus interessant klingt. Eines ist sicher: Hinschberger hat sich sehr viel Arbeit vorgenommen.
Man erfährt nebenbei, dass Hinschberger unter der Bedingung Präsident wird, dass Ostermann noch für weitere drei Jahre dem Verein als Sponsor erhalten bleibt.

Als nächster darf sich Harry Ebertz vorstellen, welcher routiniert und relativ ruhig ins Mikrofon spricht. Seine Worte scheinen vernünftig, wenn auch weniger aufsehenerregend wie die von Hinschberger.

Für die Durchführung des Wahlprozedere wird Werner Cartarius zum Wahlleiter bestimmt, dessen Auftritt für allgemeine Erheiterung sorgt. Nun soll der Abend nach dem verbalen Schlagabtausch in die Wahlen übergehen.
Bei den darauffolgenden Entlastungen zeichnet sich stets dasselbe Bild ab: ca. 30 Leute stimmen per Handzeichen gegen eine Entlastung, während der Rest einer Entlastung zustimmt.

Die Wahl des Aufsichtsrats folgt. Ein Mitglied stellt den Antrag auf geheime Wahlen, was bei vielen Anwesenden zu großer Entrüstung führt, da sich diese mental bereits auf den inoffiziellen Teil des Abends an der Theke und am Büffet eingestellt haben. Da Demokratie zum Glück doch noch ein klein wenig bedeutender als das Trinken ist, wird nun von den orangenen Wahlzetteln Gebrauch gemacht. Auf diesen kann man nur den Aufsichtsrat als Kollektiv wählen, was geschickt nach dem Motto "ganz oder garnicht" konzipiert wurde. Nach Einsammeln der Zettel wird die Wahl der ausbleibenden Ämter im Schnelldurchlauf per Handzeichen durchgeführt. Alle aufgestellten Kandidaten werden mit überwältigender Mehrheit gewählt, auch wenn ich die meisten Namen zum ersten Mal höre.

Der offizielle Teil wird nun, ganz inoffiziell, für beendet erklärt. Die meisten stehen schon draußen an der Theke, als das Ergebnis der geheimen Wahl bekannt gegeben wird: 62 Gegenstimmen, ca. 20 ungültige Stimmen und weit über 200 Stimmen für den neuen (fast unveränderten) Aufsichtsrat. Damit steht auch fest, dass Horst Hinschberger und Harry Ebertz ab sofort das Kommando über den FCS haben.

Fazit:
Erfreulich ist die Tatsache, dass 62 Gegenstimmen von einer wachsenden Opposition zeugen, wie sie in den letzten Jahren nicht der Fall war. Diese soll ein wichtiger und vor allem hinterfragender Begleiter des Vereins bleiben.
Horst Hinschberger ist ein Mann mit visionären Ansichten. Wenn er seine Worte auch in Taten umsetzt, könnte es einen wirklichen Neuanfang geben, trotz der größtenteils unveränderten Besetzung des Aufsichtsrats, welcher auch die Mitschuld an zwei Abstiegen in Folge trägt.
Im Übrigen war der Abend recht interessant, ein wenig unterhaltsam, hatte aber auch seine Längen. Alles in allem konnte man aber erwarten, dass sich vieles wiederholt.
Es bleibt, wie so oft, abzuwarten, ob jetzt der erste Schritt zum Neuanfang getan ist. Namen sind schließlich (noch) keine Taten!

Kommentare:

Markus hat gesagt…

Carsten, danke für den ausführlichen Bericht. Ist ja fast wie selbst dabei gewesen. ;-)

Ja, diese Versammlungen haben immer auch gewisse Längen, bis da alle Verfahrensvorschriften eingehalten sind... - Hatte auch schon einige mitgemacht.

Hoffen wir, dass es jetzt gut in die Oberligasaison geht. Ein Sieg zum Auftakt in Neunkirchen wär ja schon gleich ein gutes Zeichen, aber das wird sicher schwerer als wir uns das vielleicht wünschen. Am 30.07. wissen wir mehr.

Anonym hat gesagt…

toller bericht Karsten trifft den Ablauf in allen Punkten genau.

Ich habe jedenfalls dagegen gestimmt weil diese Horrorarien von klimmt und meiser mir auf den Geist gehen. Was alles passiert wenn man nicht so wählt dann hätten wir den Neuanfang.

Gruss Molschder Bub