Sonntag, Juni 29, 2008

Die DFB-Elf im Finale - Ansichten eines Saarländers

Es ist doch schon wirklich seltsam. An allen Ecken und Enden begegnen einem knapp 60 Jahre nach Entstehung des Saarlandes Aufkleber mit dem alten "Sarre"-Wappen, Lyoner und alle klischeehaften Auswüchse eines ausgeprägten Lokalismus: saarvoir vivre!

Umso interessanter anzusehen ist es, dass trotz diesen Beobachtungen seit der WM 2006 auch die neue Euphoriewelle in Sachen Nationalmannschaft das Saarland erobert hat, obwohl das Saarland wohl am wenigsten in dieses "Fußballfest für die Welt" involviert gewesen ist. Dennoch gibt es auch hier nach jedem Sieg von Joachim Löws Mannschaft einen Autokorso und jubelnde Massen zu bestaunen. Und das, obwohl spätestens im Jahre 2000 die Mannschaft mit dem Adler auf dem Brust unter Erich Ribbeck ganz unten angekommen war. Woran liegt das und was denkt jemand, der 365 Tage im Jahr eigentlich einem einzelnen Verein die Daumen drückt?

Interessanterweise gab es ein leichtes Aufflammen im Jahre 2002. Deutschland schaffte es vier Jahre vor der WM im eigenen Land mit Völlers Sicherheitsfußball bis ins Finale, wo man lange mit Brasilien mithielt und doch nicht gewann. Dennoch gab es hier noch nicht das Interesse, wie man es heute kennt. Und die Skeptiker sahen sich 2004 wieder im Recht, als Deutschland einem weiteren Tiefpunkt entgegensteuerte.
Diese Skepsis sollte erst 2006 abnehmen. Dies lag nicht unbedingt am sportlichen Abschneiden, da Deutschland zwar offensiver agierte, aber "nur" den dritten Platz bei einem angestrebten Titelgewinn erreichte. Was war passiert?

Der Fußball an sich ist zur Nebensache geworden. Im Vordergrund steht nicht mehr allein der Gewinn, sondern die eigene Präsentation, die möglichst kreativ, friedlich und medientauglich sein soll, aber dabei doch eine fanatische Komponente in sich trägt: vor dem Spiel existieren keine Zweifel am Sieg, bei einer Niederlage ist die Niedergeschlagenheit nicht von großer Dauer. Die "Partystimmung" muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden.
Ein weiterer Faktor wurde auch von der WM 2006 beigesteuert: selbst im Fall einer Niederlage bleibt Deutschland das bevorzugte Team. War es früher so, dass selbst vor einem großen Turnier Solidaritätsbekundungen eher an Mannschaften gehobener Spielkultur gingen und man die "Deutschen Panzer" unter Vogts und Ribbeck verspottete, gilt man heutzutage eher als Spielverderber, wenn man Deutschland kritisiert. Keine Brasilien- oder Italien-Trikots mehr, sondern überall Schwarz-Rot-Gold. Schließlich ist man spätestens seit der WM 2006 auch in sportlicher Hinsicht von den ehemaligen "Fußballnationen" enttäuscht, da selbst die früher belächelten Deutschen offensiver zu Werke gingen und dabei ansehnlicher als italienische Betonmischer wirkten.

Als FCS-Fan müsste ich eigentlich angewidert von der Entwicklung sein, dass der Fußball zum Spektakel verkommt. Man wird mit unnötigen "Fansongs" gequält, muss "DIE Artikel für DEN Fan" ertragen, deren Qualität gegen Null strebt, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Leute, die über Jahre hinweg Fans von Vereinsmannschaften als "bemitleidenswert" betrachteten und diese immer wieder mit dem sportlichen Misserfolg aufziehen wollten, nennen sich nun selbst "Fans", obwohl sie nicht einmal wissen, wer "dieser Enke" ist. Leute, die David Odonkor für einen Fußballer halten!

Und doch: all dies kann bei mir nicht die Freude trüben, dass Deutschland nach Jahren untersten Spielniveaus endlich wieder eine "goldene Generation" hervorgebracht hat. Schließlich drücke ich der DFB-Elf bei allen großen Turnieren (solange sie noch im Turnier vertreten ist) seit 1998 die Daumen. Als Mannschaft, nicht als Land oder Nation. Ich kann mich zwar nicht immer für Spieler erwärmen, die ihr Klubdasein bei entsprechenden Unsympathen wie Kaiserslautern oder Homburg fristeten, aber die Mannschaft an sich ist für mich doch die Elf, mit der ich immer sympathisieren kann. Selbst der FCS hat sich schon solcher Spieler bedient und wer soll es ihm auch verdenken, wenn diese am Ende gute Leistungen zeigen?

Sobald die EM beendet ist, hängen die meisten ihre Deutschland-Flaggen ab und vergessen den Fußball. Ich kehre dann wieder zu meinem eigentlichen Geschäft zurück: der heimlichen Nationalmannschaft des Saarlandes. Schließlich kann man die eigenen Leidenschaften nicht einfach in einen Schrank hängen und dann wieder auspacken, wenn es einem Recht ist. Und 1954 wär Deutschland ohne uns nie Weltmeister geworden ;-)

Donnerstag, Juni 26, 2008

EM-Querschnitt 08

Auf dem Boulevard gehts rund,
heut auch gern zu später Stund.
Rausgekramt die alte Fahn'
und ab aufs Auto, freie Bahn!

"Deutschland, Deutschland ist so geil",
schallt es noch auf der Fanmeil'
oder anders, man wills nicht wissen,
sonst womöglich noch zerissen.

Hupend an der Welt vorbei,
heute störts nicht Polizei
bei diesem friedlich Feste,
es feiern auch die Gäste.

Denn alle lieben unser Schland
und haben schnell ne Fahn zur Hand,
für Überdeutsche und Patrioten
und deren Seelenheil. Idioten!

Ein buntes Völkchen doch die Leute:
rechtes Pack, Gegnerfans und die Meute
von Modefans mit Schwarz-Rot-Gold.
Wer nicht hinging, hat geschmollt!

Eine Frage bliebe nur noch offen,
auf deren Antwort nur zu hoffen:
Wo sind die Leute nur geblieben,
die den Fußball an sich lieben?

Ganz ohne Nazis oder Leinwand
und ohne Fanmeil', höchstens Bierstand,
und ohne Kommerz und Fanlieder,
sind die wirklich schon zu bieder?

Montag, Juni 23, 2008

Fazit 2007/2008

Wie der Schnauzer zu Dieter Ferner gehört das Saisonfazit untrennbar zum Inventar des FCSBlogs. Auch in diesem Jahr werden wieder alle bekannten Kategorien durchleuchtet und der endgültige Schlussstrich unter die erste (und vorerst letzte) Saison in der Viertklassigkeit gezogen.

1. Punktspiele:

Direkt zu Beginn der Saison setzte man Ausrufezeichen und erzielte drei Kantersiege (7:0, 5:0, 6:1) und unterstrich den Anspruch auf einen Aufstiegsplatz. Einen folgenschweren Knick erlitt der FCS nach den eher enttäuschenden Auftritten gegen die Erzrivalen Homburg und Trier mit folgender Niederlage in Mainz. Bis Ende der Hinrunde stabilisierte man sich und blieb fünf Punkte vor einem Nichtaufstiegsplatz. In der Rückrunde holte man zwar insgesamt drei Punkte mehr als in der Hinrunde und gewann auch gegen Trier und Mainz, konnte aber nicht mit der Aufholjagd des FCK II mithalten. Mit einer Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten Worms war der Nichtaufstieg (= Fünftklassigkeit) so gut wie besegelt.

2. Trainer Nr. 1:

Michael Krüger wurde zu Beginn seines Engagements als erfahrener Fachmann anerkannt, obgleich seine enge Bindung an Manager Wolfgang Loos kritisch beäugt wurde. Deshalb wurde ihm Beeinflussbarkeit vorgeworfen. Nach einer eher dürftigen Vorbereitung schien er aber die Mannschaft perfekt aufgestellt zu haben, sodass unter ihm eine überwiegend junge Mannschaft blühte. Gegenüber der Presse blieb Michael Krüger meistens ruhig, was vom Saarbrücker Umfeld ab der Schwächephase Ende 2007 mit Unkenrufen quittiert wurde. Zudem sagte man ihm nach, systematisch eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Mannschaft zu etablieren, was im Abgang von Tim Schwartz gipfelte. Kurz nachdem Wolfgang Loos von seinen Aufgaben entbunden wurde, ging Krüger in den Sudan.



3. Manager:

An Wolfgang Loos wurden wohl seinerzeit die höchsten Erwartungen gestellt. Anders als der ruhige Krüger war Loos von Beginn seiner Tätigkeit in der Presse präsent und Sprechrohr der sportlichen Entscheidungen des FCS. Dies erhöhte auch die Kritik auf seine Person, da er mit Luft, Jülich, Schug und Özgün Spieler verpflichtete, für die man vielerorts keinerlei Bedarf sah und die sich auch in den Testspielen nicht empfehlen konnten. Vor allem bei Luft und Jülich gab es den Verdacht einer "Niedersachsen-Connection".
Als Loos in der Zeit des offenkundigen Leistungsabfalls der Mannschaft eher beschwichtigen wollte, als die Mannschaft mahnend zu kritisieren, entzog ihm der Vorstand auch öffentlich das Vertrauen. Nach dem Eklat um Tim Schwartz wurde klar, dass das Verhältnis zwischen Manager und Vorstand zerrüttet war und die Vorstellungen beider keine Schnittmenge mehr bildeten. Der polarisierende Loos musste gehen.

4. Trainer Nr. 2:

Alfred Kaminski war bei seiner Verpflichtung allen noch bestens als Co-Trainer unter Henke und Trainer der Reserve in Erinnerungen. Seine unkonventionellen Trainingsmethoden ordneten ihn in die Ecke der Motivationskünstler und Jungtrainer mit Erfolgshunger. Nach einigen Ausrutschern wurde er dieser Rolle gerecht und erzielte Siege gegen die bis dahin fast Unschlagbaren Trier und Mainz II.
Sein folgenschwerster Fehler war die psychologisch kontraproduktive Verteidigungsrede für Pascal Formann, welche seinem Torwart das Vertrauen nur noch mehr entzog und die Fans verärgerte. Ein endgültiges Armutszeugnis stellte sich Kaminski aus, indem er bei theoretischer Minimalchance auf den Aufstieg diesen schon vor dem letzten Spieltag abhakte und seinem Vorgänger die Schuld an der Misere gab.

5. Vorstand:

Mit zwei Neubesetzungen im Präsidium und einem ehemaligen Spieler im Aufsichtsrat gab es vor der Saison einige Änderungen im Vorstand. Horst Hinschberger war dabei zu Beginn seiner Arbeit "fachfremd", versuchte dies aber mit einem offensiven Engagement auszugleichen. Die Sympathien im FCS-Umfeld erarbeitete er sich nicht zuletzt durch seine stete Präsenz bei Spielen und in den Medien, sowie der "Liebe kennt keine Liga"-Kampagne. Für Kritik sorgte die parteiliche Nähe zu Vorgänger Ostermann und die mitunter übertriebenen Aussagen vor Presse, Funk und Fernsehen ("Leuchtturm des Saarfußballs"), die nach den ersten Misserfolgen mit Hohn und Spott quittiert wurden. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit holte der FCS unter Hinschberger/Ebertz Verlorenes auf und zeigte sich hier fanfreundlicher, jedoch zeigte man sich auf sportlicher Ebene noch recht unerfahren, was sich auch im Personalkarussell im Winter manifestierte. Wenn Hinschberger und Ebertz in der nächsten Saison ihre Chance bekommen, sollten sie daraus lernen.

6. Die Mannschaft:

Im Gegensatz zu den letzten beiden Spielzeiten setzte sich 2007/2008 ein festes Mannschaftsgefüge zusammen, welches maßgeblichen Anteil an einer starken Saison trug. Die Symbiose aus Jung und Alt funktionierte in der Hinrunde perfekt: Führungsspieler wie Jülich oder Haffner harmonierten auf den Platz mit Spielern wie Mike Frantz. Das Spiel über die Flügel florierte, nur wurde nach einigen Spielen schon klar, dass ein klassischer "Zehner" fehlte. Als die Euphorie der ersten Spiele abflachte, musste man in der Taktik variieren, was nicht immer gelang. In allen Mannschaftsteilen wechselten Licht und Schatten, wobei am Ende das Licht überwog.



7. Neuzugänge:

Von den nominellen Neuzugängen konnten nur wenige überzeugen. Schug bekam fast keine Chancen, obwohl er gute Ansätze zeigte, und war oft verletzt. Özgün, Wollscheid und Luft kamen nur selten zu Einsätzen und setzten nicht viele Glanzpunkte. Wechselhaft waren die Auftritte vom jungen Rouven Wiesner, der als Defensivspieler oft torgefährlich agierte, jedoch nicht immer stabilisierte. Ebenso wechselhaft, meistens aber unauffällig waren die Leistungen von Torsten Jülich. Nie unumstritten war hingegen Pascal Formann, der erst sehr spät den Platz im Tor verlor. Florian Hornig erzielte zwar einige Tore, ließ die sogenannten "Big Points" aber aus und wird den Verein nach nur einem halben Jahr wohl wieder verlassen.
Die "unechten" Neuzugänge aus dem Jugend- oder Reservebereich spielten fast allesamt engagierter als die "Hinzugekauften", was Spieler wie Brückerhoff, Stelletta oder Dekoun zu echten Gewinnen machte.

8. Die Pokalsaison:

Wie im Vorjahr war schon das erste Spiel im Saarlandpokal Endstation für den FCS. In Mettlach verlor man knapp nach unterirdischer Leistung mit 0:1. Ironischerweise gelang der Verbandsligamannschaft des FCS Wochen zuvor im Stadion am Schwimmbad ein überzeugender 3:1-Auswärtssieg unter der Federführung von Mike Brückerhoff.

9. Fans:

Der Ära der beiden Fanblöcke stand mit der Oberliga eine Bewährungsprobe bevor. Trotz aller Befürchtungen unterschieden sich Stimmung und Zuschauerschnitt nicht großartig im Vergleich zur Vorsaison. Eher war nach dem 10.000-Zuschauer-Spiel in Neunkirchen eine Euphoriewelle Grund für die neue "Liebe" zum Verein. Erst nach sportlicher Ernüchterung und einigen (zu erwartenden) Auseinandersetzungen bei Derbyspielen kam die Diskussion über die Spaltung der Fanszene, die nach wie vor nicht zu enden scheint, wieder auf.



Bei Auswärtsspielen setzte sich das altbekannte Bild der letzten Jahre fort: nur bei großen Gegnern gab es die entsprechend große Masse an FCS-Fans. Aufgrund kürzerer Entfernungen und kleinerer Heimanhänge fiel dies jedoch nicht zu sehr ins Gewicht. Bei Auswärtsspielen waren es zumeist Virage Est und andere Allesfahrer, die den Verein unterstützten. Das Polizeiaufkommen bei FCS-Spielen blieb hoch, was bei einigen Spielen zu erwarten (Homburg, Trier), bei anderen unverständlich (Hauenstein, Wirges, Engers...) war. Die Diskussion über gewaltätige Fans sollte vor allem nach dem Heimspiel gegen Homburg wieder aufkommen und die Berichterstattung bestimmen. Eine neue Dimension erhielt diese Diskussion nachdem seitens einiger Fans auch psychischer Druck auf Torwart Pascal Formann ausgeübt wurde: zu Saisonende wurde wieder einmal den Fans maßgebliche Schuld am Abstieg gegeben.
Abzuwarten bleibt, ob die Gegebenheiten der beiden Fanblocks bei Zuschauerschwund in der Fünftklassigkeiten in dieser Form aufrecht erhalten bleiben.

10. Mein persönliches Fazit:

Diese Saison ist persönlich viel schwieriger zu bewerten als die vorherige Spielzeit, da im Grunde die Ergebnisse das triste Vorjahr oftmals weit übertrafen, am Ende jedoch das Verpassen des Saisonziels de facto einen weiteren Abstieg bedeutet. Einigen tristen Heimspielen gegen Dorfclubs stehen Duelle vor zweitligareifer Kulisse in Trier oder Neunkirchen gegenüber. Am Ende fühlt man sich ob weiterer Enttäuschungen trotz einer jungen, vielversprechenden Mannschaft erneut geprellt: ein geordneter Neuaufbau schließt es eigentlich aus, dass alte Fehler wiederholt werden. Die Verpflichtung des Victors-nahen Kaminski war damit ein Schritt zurück, der am Ende vielleicht auch die Qualifikation zur Regionalliga kostete. Auch wurde bei allen Neuerungen im Bereich Fanservice oder dem Generationenwechsel in der Fanbetreuung immer noch keine Konstanz auf sportlicher und organisatorischer Ebene entwickelt.

Im Grunde ist man keinen Schritt weiter als vor einem Jahr, außer dass man noch einmal gesehen hat, dass in Saarbrücken das Potenzial, die Massen zu begeistern durchaus vorhanden ist. Auch ohne einen FC Saar.

Fotos: 1,2 Saarkicker.de, 3 fcsblog.de

Samstag, Juni 21, 2008

Ankunft Amsterdam? Eine EM Erfahrung in orange!

Es ist kurz nach 15.00 Uhr des 17.Juni 2008, die Türen des Zuges gehen auf und ich begebe mich auf den Bahnsteig. Die ersten Gedanken schiessen durch meinen Kopf.
Ich habe den falschen Zug genommen! Ich bin in Amsterdam angekommen. Was bitte schön ist in dem verdammten Bahnhof los?

Als ich meine ersten Eindrücke verarbeitet habe und endlich ein Schild sehe „Herzlich Willkommen in Bern“ geht’s mir wieder ein wenig besser.
Hier bin ich nun also – In Bern, der Hauptstadt der Schweiz, 120'000 Einwohner und heutiger Austragungsort des EM Vorrundenspiels Holland gegen Rumänien.
Bereits im Vorfeld meiner Reise habe ich mich bei guten Berner Freunden schlau gemacht, was während der EM in der Stadt läuft. Immer und immer wieder kam der gleiche Wortlaut – Unglaublich, so was haste noch nie gesehen.
Ich gebe eigentlich nicht viel auf solche Superlative, dafür habe ich schon zuviel gesehen und erlebt, aber um es vorab auf den Punkt zu bringen, es war UNGLAUBLICH. Welch eine Fan-Kultur, welch eine Identifizierung mit dem Vaterland, welch ein Stolz, welch eine Party.

Eine Stadt sieht orange

Inzwischen habe ich mich in meiner neutralen Kleidung (nichts schwarz-rot-goldenes und schon gar nichts orangenes) auf den Bahnhofsvorplatz gekämpft, wo ich mich mit besagten Kumpels verabredet habe. Sie lachen mich an und fragen mich – Na zuviel versprochen?
Ich blicke mich um und konnte das ganze nicht glauben. Eine Stadt sieht orange! Wo haben die alle ihre Wohnwagen stehen? Und wer ist denn noch in den Niederlanden? Ein Paradise für jedes Wohnwagen-Verkaufshaus, so viele potenzielle Kunden.

Wir kämpfen uns durch diesen Oranjes Hype und befinden uns auf den Weg zum Bundesplatz, einer von 3 offiziellen Fan-Zonen der UEFA. Wofür man normalerweise 1min braucht, haben wir 30 benötigt. Meine Vorahnungen wurden bei Ankunft bestätigt, die Fan Zone war aufgrund Überfüllung geschlossen. Somit blieben wir in einer neutralen Zone und laberten ein wenig über die EM und warum es in Holland keine schönen Frauen gibt.

Ein Fangedanken – Gemeinsam ins Stade de Suisse

Gegen 17.00 Uhr machten wir uns startklar für den ca.30min Fussweg Richtung Stadion und gerieten in mitten einer holländischen Völkerwanderung.
Diese Prozession zog nicht nach Marpingen zur Marien Erscheinung und schon gar nicht in die Campingabteilung eines Warenhauses, sondern zum Stade de Suisse, der sonstigen Heimspielstätte der Berner Young Boys.
Nach unzähligen holländischen Liedern, Heineken Flaschen aus dem Weg räumen und Blindheit vor lauter orange kamen wir zur Spielstätte des WM Finales von 1954

Platz nehmend sahen wird dann auch zum ersten Mal eine rumänische Gruppierung. Zum Anpfiff sollte der Ostblock mit rund 3'000 Balkan Fans gefüllt gewesen sein, war aber der Übermacht an Holländern nicht gewachsen. Wir vertrieben uns, während dem unansehnlichen Spiels, mit testen der Speisekarte im ehemaligen Wankdorfstadion die Zeit. Von Kebab bis Currywurst gab’s alles was der Magen verarbeiten musste. Als Essenfazit kann man sagen:
Die Speisen waren ok – Das Spiel vor 30'777 Zuschauern zum kotzen. Ach fast vergessen 2:0 für Holland.

Nach dem Spiel ging’s zügig Richtung Bahnhof. Ich wollte den ersten Sonderzug nehmen, in der Hoffnung nicht so viele Holländer an Board zu haben. Meine Worte wurden erhört und ich konnte den Tag entspannt Revue passieren lassen.

Auf der Rückfahrt blieb nur noch eine Frage offen:

Wenn man vom Eingang bis zur Theke des McDonalds Bern 25min benötigt, wie viele verdammte Burger müssen die an diesem Tage verkauft haben?

Die Holländer waren ein wirtschaftlicher (in doppelter Hinsicht) Segen für Bern.
Und leider schaffen sie es auch diesmal nicht bis ganz nach vorne.

Eine weitere schöne EM und möge der Beste gewinnen - also Deutschland!


video

Freitag, Juni 20, 2008

Günter geht

Nach zwölf Jahren Tätigkeit als Fanbeauftragter des 1. FC Saarbrücken wird Günter Gerhard (GG) zum 01.07.2008 "den Stab weiterreichen" und Platz für eine jüngere Generation von Fanbetreuern beim FCS machen. Lange habe ich überlegt, ob ich tatsächlich einen eigenen Artikel zu diesem Wechsel verfassen soll oder ob ich dieses Thema lieber schneide. Aber gerade ein kontroverses Thema wie dieses braucht ein wenig Beachtung, selbst wenn es sich "nur" um das Amt des Fanbeauftragten dreht.

GG genoss Zeit seiner Tätigkeit in der Fanbetreuung beim 1. FC Saarbrücken nicht immer den größten Rückhalt. Oft wurde ihm sein Alter als Nachteil angelastet, da ihm das Verständnis für jüngere Fans, vor allem die aufkommenden Ultras (auch in Saarbrücken), fehlte. Auch gab es oftmals den Vorwurf der "Vetternwirtschaft" (siehe eine Meldung aus dem Jahr 2003) und zuletzt waren es die Rundschreiben des Fanbeauftragten, die Kritik erregten. Dabei konnte man letzteres mit einer Humor Portion problemlos ertragen. Problematisch war da eher die mangelnde Akzeptanz für den 72-Jährigen, der nun, ob freiwillig oder unfreiwillig wird offen gelassen, sein Amt an die neue Troika aus Meiko Palm, Dirk-Sören Prophet und Peter Thielges abgibt.

GG war sicherlich in seiner Rolle als Fanbeauftragter engagiert. Er hat gegenüber dem Verein ein gutes Verhältnis aufgebaut, was er auch für die Fans nutzte und Vergünstigungen und ähnliches erwirkte. Problematisch war dabei die unklare Rolle GGs: war er Fan oder Vereinsangestellter? Sich zum Verein bekennend verließ er so umgehend wieder eine Krisensitzung im Saarbrücker Fanprojekt nach den Vorfällen beim Heimspiel gegen Rostock.
Dies war außerdem einer der Momente, indem man den sturen GG erlebte, der sich nicht mit der jüngeren Fangeneration identifizieren konnte. Es spricht Bände über sein Verhältnis zur Virage Est, als er nach der verkündeten Schließung des E-Blocks ledeglich immer wieder die Worte von Wolfgang Loos betonte. Hier hätte ein Fanbeauftragter sich auch für Faninteressen einsetzen müssen. Aber war es auch nicht die Amtszeit GGs, in der die Trennung zwischen D-Block und E-Block vollzogen wurde?
Die Antwort auf all diese Fälle muss in der Problemlösungsfähigkeit GGs gesucht werden. Gegenüber dem Verein war GG ein hervorragender Diplomat, aber auch viel zu oft bequem und stur. Zu bequem um Probleme offensiv anzugehen, zu stur um den Blickwinkel anderer Fans einzunehmen.

Deshalb ist die Besetzung der vereinseigenen Fanbetreuung mit drei Leuten, gerade da sich das Fanprojekt "Innwurf" in steter existenzbedrohlicher Lage sieht, nur konsequent. Es gibt keinen Mann, der die Interessen der heterogenen FCS-Fanszene alleine vertreten könnte. An dieser Stelle wünsche ich den "Neuen" auch gutes Gelingen bei ihrer Aufgabe. Sie wird nicht immer einfach sein.

Zu GG bleibt mir abschließend nur zu sagen, dass ich hoffe, dass er doch auf seine alten Tage noch zur Einsicht kommt, dass er in seiner Amtszeit nicht nur einen Fehler begangen hat. Wer zum Vertreter seiner eigenen Interessen gerät, vertritt keine Fangemeinschaft mehr, sondern wird zum Monarchen über eben jene. Wenigstens klingt sein neuer Titel "Ehrenfanbeauftragter" leicht nach Monarchie, selbst wenn es in diesem Falle bei einer rein repräsentativen Funktion bleiben wird. Ich wünsche ihm an dieser Stelle neue Erkenntnisse im Alter und alles Gute für die Zukunft.

Mittwoch, Juni 18, 2008

100 Gründe, warum es NICHT peinlich ist, FCS-Fan zu sein II

Der Gründe zweiter Teil:

51. Harald Ebertz. Erst Torwart, dann Feldspieler bei den Amateuren und Stand-by-Profi, danach Jugendtrainer und Vizepräsident. Was macht der Mann eigentlich nicht?
52. Das VIP-Zelt. Gibt dem ländlichen Saarbrücker einen Fixstern, zu dem er aufblicken kann. Zudem schnell abtransportierbar.
53. Die Nähe zu Frankreich. Verlieh dem FCS eine einzigartige Identität als "Rucksackfranzosen". Allez les Bleus!
54. Michael Thurk. Spielte nie für den FCS, bescherte aber zahlreiche wohlklingende Pfeifkonzerte im Ludwigspark.
55. Der C-Block. Kein Fünftligigst hat einen derart geräumigen Block für seine Gäste reserviert.
56. Eric Wynalda. He's so gudd.
57. Der SV Auersmacher. Eine ausbaufähige Erzfeindschaft für die kommenden Jahre.
58. Mingo Due. "Zu FCS da geh ich hin, weil ich so super sexy bin!"
59. Sebastian Pelzer. Trotz unglücklichem Nachnamen letzter guter Linksverteidiger beim FCS.
60. Der FC Saar. Solange es ihn noch nicht gibt ein Grund, den FCS nicht peinlich zu finden.
61. Erich Honecker. Pate des Fangesangs "Erich war ein Saarländer".
62. Das Ministerium für Inneres und Sport. Nahm Gebrauchtes freiwillig wieder zurück.
63. Leergut. Bescherte uns stimmige FCS-Lieder.
64. Marcel Mahouvé. Verkanntes Fußballgenie auf Videobändern.
65. Die Frau von Gunter Thiebaut. Model, machte zeitweise in der Boulevardpresse Sylvie van der Vaart Konkurrenz.
66. Gunter Thiebaut. Danke übrigens für die Tore!
67. FC Venus. In einer Szene dieses Kinofilms befindet sich eine kleine Anspielung auf den FCS. Man dankt!
68. Guido Meys Kaugummi. Erlangte im DFB-Pokalfinale 2008 und später bei TV Total Berühmtheit.
69. Die Trikots von Nike. Der FCS stieg immer stilvoll gekleidet ab.
70. Yilmaz Örtülü. Unvergessene Auftritte in Burghausen und München.
71. Die FDP. Stellte dem FCS gerne leihweise Präsidenten zur Verfügung.
72. Nudelsalat. Verschönerte jede Busfahrt mit den Saareagles.
73. Uwe Klimaschefski. Setzte als Trainer rhetorische Maßstäbe, die seither allenfalls angekratzt werden konnten.
74. Die friedliche Konkurrenz von E-Block und D-Block. Fankultur in Stereo!
75. Die Saar-Tiere. Die heimlichen FCS-Maskottchen mit spitzer Zunge.
76. Charly Mey. Sicherheitsbeauftragter der Herzen.
77. Das Ludwigspark.de-Gästebuch. Kontroverses Gästebuch und Hauptquelle der Bildzeitung.
78. 78 registrierte Fanclubs. Viel für einen Fünftligisten, nicht?
79. Goran Curko. Torwart des SSV Reutlingen, der dachte, es sei abgepfiffen und den Ball für Ante Covic vorlegte.
80. Ante Covic. Siehe 79. Hatte außerdem schöne Haare.
81. Die BILD Saarland. Erfreut uns immer wieder mit lustigen Geschichten mit umstrittenen Aussagegehalt.
82. Saarbrücker Zeitung. Der leicht seriösere Bruder der BILD Saarland. Berichtet selten schlecht über den FCS, da die Berichterstattung über den FCK im Vordergrund steht.
83. Taifour Diane. Durfte in Saarbrücken beweisen, dass Alter und Vergangenheit keine Rolle spielen.
84. Die FCS-Frauen. Brachten den FCS 2008 noch einmal live ins Fernsehen.
85. Oskar Lafontaine. Prominentester FCS-Fan und gern gesehener Streitparter bei Anne Will.
86. Das FCS-Forum. Hort niveauvoller Diskussionen.
87. Kurt Beck. Der Peinlichste unter den prominenten Fußballfans. Drückt zum Glück dem FCK die Daumen.
88. Hany Ramzy. Ehemaliger Weltklasseabwehrspieler, gab sich 2005 die Ehre im Park zu spielen.
89. Tony Yeboah. Das Alter spielt doch keine Rolle.
90. Das Projekt "Stadtmitte am Fluss". Hiervon werden der FCS und die Stadt Saarbrücken profitieren. Bestimmt.
91. Peter Neururer. Trotz vieler Stationen als Trainer dem FCS verbunden geblieben.
92. Der Aufstieg 1992. Wenn man bedenkt, dass der FCS im letzten Jahrzehnt noch Bundesliga spielte, ist da ja garnicht mal sooo lange her.
93. Kalle Roland. Ohne ihn wäre das Fernsehen nur halb so lustig.
94. Das Trommlerteam im D-Block. Gewaltig und mit Rhytmus im Blut.
95. Karlsberg Urpils. Wird im Ludwigspark immer handwarm serviert und sorgt für Stimmung, auch nach dem Spiel.
96. Der Ludwigskreisel. Hier wird nicht nur im Verkehr getanzt. Das Ergebnis wird oft 95. zugeschrieben.
97. Didier Philippe. Lustiger Geselle von Jaques Bistro.
98. Das FCSBlog. Sammelt gerne Gründe, warum es nicht peinlich ist, FCS-Fan zu sein. Außerdem schadet etwas Selbstbeweihräucherung nicht.
99. Manuel Rasp. Schießt nicht viele Tore, aber wenigstens schöne.
100. Günter Gerhard. Erster und damit bester Ehrenfanbeauftragter aller Zeiten!

Dienstag, Juni 17, 2008

100 Gründe, warum es NICHT peinlich ist, FCS-Fan zu sein I

Nach dem dreimaligen Verpassen des Klassenerhaltes ist für viele (bald ehemalige?) FCS-Anhänger die Frage zum Programm geworden, ob es nicht peinlich sei, wenn man noch die blau-schwarze Flagge hochhält. Hier gibt es nun die ersten 50 Gründe, warum es doch toll ist, FCS-Fan zu sein. In den kommenden Tagen folgt der Rest.

1. Peter Eich. Nicht viele hatten einen Stammtorwart, der schon der Vater vom Sturmtalent hätte sein können.
2. Das Wappen. Wo wurde denn noch so stilvoll vom FC Barcelona abgekupfert?
3. Das FC-Sportfeld. Das Schmuckkästchen unter den Reservestadien.
4. Dieter Ferner. Der Chuck Norris unter den harten Hunden unter den Fußballtrainern.
5. Die Anzeigentafel über dem Marathontor. Nostalgie pur.
6. Die Tischtennisabteilung. Zweite Bundesliga!
7. Die Wasserballabteilung. Solange es sie nicht gibt, ist sie auch kein Schandfleck des Vereins.
8. Die alte Dampfeisenbahn. Ja die hats mir angetan!
9. Alfred Kaminski. Seit er weg ist, gibt es eine Peinlichkeit weniger im Verein.
10. Die Berliner Promenade. Herz und Seele der Innenstadt beherbergen die Geschäftsstelle.
11. Preußen Münster. Überließen uns 1963/1964 kampflos die umgedrehte Tabellenspitze.
12. Die Festivitäten zum 100. Geburtstag. Eine Sternstunde der Saarlandhalle.
13. 13. Trikotnummer von Giganten wie Hutwelker oder Mustapha Hadji.
14. Das 6:1 gegen Bayern. Man wird es noch in 100 Jahren feiern.
15. Hermann Neuberger. Ehemals beliebtester DFB-Präsident.
16. Lui. Wird uns als Maskottchen wohlwollend in Erinnerung bleiben.
17. Der Stadionneubau. Gut Ding will Weile haben!
18. Herry Klemm. Sängs ju for se Gäm!
19. Nobutaka Suzuki. Exzellenter Dribbler aus Japan.
20. Die Karlsberg-Vortribüne. Bundesligatauglich im Meckern und Pöbeln.
21. Das Eppers-Würzmobil. Der wahre Treuebeweis für echte Fans.
22. Peter Müller. Der sympathische Landesvater lässt sich gerne beim FCS blicken.
23. Michael Henke. Holte die Bayern in den Ludwigspark. Das Saarland dankt.
24. Das Autogrammkartenalbum im Fanshop. Welcher Fünftligist hat sowas zu bieten?
25. Das FC-Magazin. Akkurate Infos für den Fan von heute.
26. Das 7:0 gegen Bad Kreuznach. Geburt des Saarbrücker Offensivdrangs 2007.
27. Der Rasen im Ludwigspark. Agiert zuverlässig, vor allem wenn Fanproteste im Winter anstehen.
28. Der Saarlandpokal. Einer der qualitativ hochwertigsten und interessantesten Verbandspokale im DFB-Gebiet.
29. Michael Oelkuch. Mittelfeldregisseur in goldenen Regionalligazeiten. Tolle Frisur.
30. Der Bundesliga-Skandal 1971. Wir waren nicht beteiligt!
31. Die Saargalerie. Beliebter Treffpunkt für FCS-Fans zu Heimspielen.
32. Marc Birkenbach. Kommender Nationaltorhüter, wurde beim FCS entdeckt.
33. Die sanitären Anlagen im Ludwigspark. Hier kommt ein traditionelles Fußball-Feeling auf.
34. Das 1:0 im Pokal gegen Mainz 2006. Bisher letzter Erfolg in der Vereinsgeschichte.
35. Die Discofox-Version von "You'll never walk alone". Seit dem Abgang von Herry Klemm leider verschollen.
36. Thomas Winklhofer. Abwehrchef und Österreich-Legende.
37. Der SCRA. FCS-Auffangstelle Nr. 1.
38. Maastricht. FCS-Auffangstelle Nr. 2.
39. Sambo Choji. Perle aus Nigeria.
40. Die Ludwigskirche. Hat zwar mit dem FCS nichts zu tun, sieht aber schön aus und steht in Saarbrücken.
41. "Kniet nieder ihr Bauern, Saarbrücken ist zu Gast!". Beliebter Gesang auf Auswärtsspielen und längst Kult.
42. Die KuFa. Hier trifft man vor allem die jungen FCS-Spieler. Oder man wurde von ihren getroffen.
43. Stefan Beckenbauer. Das Kaiserchen.
44. Die Saar. Verantwortlich für das "Saar" im Namen "Saarbrücken".
45. Die Westspange. Verdeutlicht mit ihren Staus, dass doch noch viele Leute zu Heimspielen des FCS kommen.
46. Robert Hoyzer. Konnte auch nicht den Sieg in Unterhaching verhindern.
47. Schwenker. Schmeckt nirgends so gut wie im E-Block.
48. Der Mannschaftsbus. Flexibel im Entfernen von Aufklebern für Bundes- oder Regionalliga.
49. Das 2:0 gegen Köln 2004. Da sah Lukas Podolski alt aus!
50. Der FC 08 Homburg. Es gibt doch peinlichere Dinge als den FCS auf dieser Welt.

Montag, Juni 16, 2008

FCS-Zitat der Woche (13)

Erst die Männer, dann die A-Jugend und zum krönenden Abschluss auch noch die Frauen. Dieses Jahr wird im Vorstand nach den verpassten Saisonzielen in allen drei Bereichen kaum jemand mit Worten wie "nur bei den Männern hapert es jetzt ein bisschen" den sportlichen Niedergang des 1. FC Saarbrücken beschönigen können. Wo sich vorher Fans der Frauenmannschaft mit dem Erfolg ihrer Spielerinnen vom Männeranhang abkanzeln konnten, sind jetzt alle auf dem gemeinsamen Nenner der Niederlage angekommen.

Umso interessanter ist es, welche(s) Wort(e) Frauen-Trainer Guido Mey laut Saarkicker.de für den unglücklichen Abstieg in letzter Minute fand:

Betriebsunfall


Tatsächlich scheint der gute Herr Mey bei dieser Wortwahl ins Schwarze getroffen zu haben. Es erinnert wirklich an einen Betriebsunfall, wenn man schusseligerweise die Sperre einer Spielerin glatt vergisst und am Grünen Tisch den Punkt verliert, der am Ende zum Klassenerhalt gereicht hätte. Auch der ärgerliche Ausfall von Schlüsselspielerin Nadine Kessler gerät zum ungeplanten Betriebsunfall, der am Ende trotz grandioser Pokalsaison den Abstieg bedeutet.

Moment einmal: Abstieg? Bedeutet ein Abstieg in Saarbrücken mittlerweile nur noch eine ungeplante wie ungeahnte Neigung des Zufalls, die am Ende gar für den Gesamtbetrieb kompensierbar erscheint?
Dieses kleine Wörtchen "Betriebsunfall", selbst wenn es von Guido Mey wohl willkürlich ausgewählt ist und seinen Spielerinnen den mutigen Gang in die kommende Saison erleichtern soll, verdeutlicht doch die Misere des Gesamtvereins: der Verein ist zu einem Betrieb geworden, in dem das sportliche Versagen immer wieder relativiert wird.
Hat der Vorstand falsche Entscheidungsträger eingekauft, so waren es doch Imagekampagnen, die den Verein weitergebracht haben.
Hat ein Trainer nicht das Saisonziel erreichen können, so lag es halt an der Arbeit seines Vorgängers.

Die Betriebsmannschaft nimmt es gelassen zur Kenntnis und geht in die nächste Saison. Egal wo.

Freitag, Juni 13, 2008

Kontra Kritik an Ferner und Co.!

Es gibt kaum eine Zeit, in der nicht irgendwelche Stimmen beim FCS die sportliche Seite kritisieren. Diese Kritik pendelt je nach Abscheiden der Mannschaft zwischen überfällig und haarsträubend. Wirklich bedenklich wird es aber, wenn der neue Trainer und die neuen Spieler noch nicht einmal die Gelegenheit hatten, sich zu beweisen.

Zunächst war da ein Auftritt von Dieter Ferner im Aktuellen Bericht des Saarländischen Rundfunks, der positiv als "volksnah" und negativ als "provinziell und peinlich" kommentiert wurde. Wer schon eh und je Ferner als Legende betrachtete, sah sich bestärkt, Ferners Gegner hatten einen Anlass für die erste Kritik am neuen Trainer gefunden. Man kann viel über die Außenwirkung von Dieter Ferner diskutieren, aber sieht es nicht folgendermaßen aus?

-Trainer mit Medienkompetenz und Erfahrung im Umgang mit der Presse wie Michael Henke oder Rudi Bommer sind nicht per se Erfolgsgaranten.
-Die Vorbereitungszeit auf die neue Saison ist garantiert nicht der Zeitpunkt um qualifizierte Aussagen über das Handeln des Trainers zu sprechen.
-Der FCS ist nur noch fünftklassig, d.h. jegliche mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf das Saarbrücker Umfeld, die wenigen Konkurrenten (die zu 70 % aus Dorfclubs bestehen und sicherlich keine Berufsrhetoriker als Trainer besitzen) und den hartgesottenen Saaramateur-Lesern.

Gesondert muss man jedoch die Kritik an der Personalpolitik Ferners betrachten. Kaum waren die Neuzugänge (und gleichzeitigen Rückkehrer) Marcel Rozgonyi und Pierre Hallé verkündet, gab es schon Diskussionen. Von Begeisterung und Optimismus, über gemäßigte Meinungen ("Wir sind halt Oberliga!") bis hin zu totaler Ablehnung war hierbei alles vorhanden.
Auch hier gilt zunächst einmal die Tatsache, dass auch den beiden Rückkehrern, so sehr man der Überzeugung ist, dass diese schon im Vorhinein schlechte Verpflichtungen sind, eine faire Chance eingeräumt werden muss. Noch hat die neue Saison nicht begonnen und noch kann niemand die Leistung der beiden Spieler einschätzen, da ihre letztmaligen Saarbrücker Engagements weit in der Vergangenheit liegen.

Dabei verkennen viele der schärfsten Kritiker zudem gewichtige Tatsachen, die beide Neuverpflichtungen nachvollziehbar und sinnvoll machen. Zum einen verlassen beide ihre Vereine ablösefrei und sind die geforderten "Korsettstangen": Erfahrung haben beide, nicht nur im Saarbrücker Umfeld.
Zudem darf man nicht vergessen, dass Marcel Rozgonyi zwar bei seinem Engagement Boulevardpresse und Defizite in der Schnelligkeit die Arbeit erschwerten, aber nach der Umfunktionierung zum defensiven Mittelfeldmann auch er seinen Anteil am Aufschwung unter Rudi Bommer hatte. In einer tieferen Liga dürfte der Kämpfer Rozgonyi sich problemlos in jede Defensivrolle einfügen können.
Die Verpflichtung von Pierre Hallé wundert hingegen kaum. Zwar wirkt seine Torquote von 12 Treffern in 46 Spielen relativ mager, aber unter Ferner bzw. in tieferen Gefilden als der Oberliga agierte der Kameruner erfolgreich und als Stützpfeiler von Mannschaften wie Saarbrücken II, Kutzhof oder Homburg.

Berücksichtigt man dies alles, so muss man feststellen, dass der Kritik Überzeugungskraft fehlt. Viel eher lässt man sich auf altbekannte Meckereien ein, die den Verein aus der 2. Liga in die Fünftklassigkeit begleitet hat. Was der Kritik jegliche Berechtigung entzieht, ist der Zeitpunkt. Solange noch kein Spiel absolviert ist, gibt es keine Grundlage die Neuzugänge oder die Arbeit des Trainers zu bewerten.

Montag, Juni 09, 2008

Was Carsten denkt (15)

Hallo FCSBlogleserinnen und -leser,

die Sommerpause ist offiziell eingeläutet, weshalb hier im Moment nicht viel zu bestaunen ist (aktueller geht es da schon drüben zu). Trotzdem mal ein paar lose Gedanken im Fußballkosmos, bevor ich mich mental dazu aufraffen kann, das Saisonfazit zu ziehen.

Zunächst die Gretchenfrage schlechthin, da nun in der Fünftklassigkeit viele Leute den FCS nicht mehr richtig unterstützen können/wollen: das FCSBlog wird weiterhin bestehen (vorausgesetzt das leidliche Thema des "FC Saar" bleibt nur Ergebnis eines mittelschweren Colarausches verschiedener Funktionäre und Erfolgsfans). Im Moment gibt es da leider nicht viel zu berichten, abgesehen davon, dass Yannick Dekoun, von dem ich als Spieler viel halte, und leider Richtung Elversberg verlässt. Ich denke, dass wir ihn in Zukunft irgendwann mindestens in der 3. Liga sehen werden.
Der FCS lässt hingegen eine alte, kontroverse Methode walten und verstärkt sich, indem er die Konkurrenz schwächt. Nabil Dafi verlässt deshalb die Hüttenstadt Neunkirchen und streift ab sofort das blau-schwarze Trikot über.

Wo wir gerade bei blau-schwarzen Trikots, Taktiken und Ablenkungsmanövern angelangt sind: die Schuldfrage in Sachen FCS ist ein wenig aus der aktuellen Diskussion abhanden gekommen. Im Voting sprach sich die Mehrheit der Blogbesucher für das Präsidium als Hauptschuldigen aus. Tatsächlich hat der angepriesene Versuch, das Image des Vereins positiv zu gestalten, nicht unbedingt funktioniert. Man hat die schon vorhandene Basis an FCS-Fans zwar in ihrer Treue bestärken können und auch neue Mitglieder gewonnen. Jedoch dürfte über den Tellerrand hinaus das Auftreten von Präsident Hinschberger nebst verpasstem Saisonziel nur für Hohn und Spott gesorgt haben. Jedoch ist es in einem Beitrag wie diesem müßig, die Schuldfrage ausführlich zu behandeln, da die Diskussion beim nächsten Misserfolg wieder auftauchen wird.

Genauso wenden Hardliner unter der Anhängerschaft des "Victor's-FCS" immer wieder die alte Formel an: "Hätten damals die Fans nicht die Bengalos geworfen, hätten wir gegen die Stukis gewonnen!"
Die Mode, die Fans mitverantwortlich für sportliches Scheitern zu machen, hat sich auch mit einigen Zählern in der Blogumfrage bemerkbar gemacht. Hier bleibt die Frage interessant, wie sich dieses Umfeld weiterentwickeln wird und wie lange noch der allgemeine Glaube an die Schuld der in der Presse als "sogenannte 'Fans'" titulierten Zuschauer aufrecht erhalten werden kann.

Ein weiteres Beispiel für die regelrecht getrennten Gruppen im FCS-Umfeld ist der Fotografenstreit.
Immer wieder kommt es vor, dass Leute, die ihre Handykameras auspacken, weil mal eine Rauchbombe gezündet wurde oder eine Schlägerei im Gange ist. Dann kommt ein mehr oder weniger Beteiligter und fordert meist mit den Worten "Mach sofort die Sc***ß-Kamera aus!" die Einstellung filmischer Aktivitäten. Im Internet ist die Betroffenheit dann hoch und man schwört sich Rache, indem man keine Bilder mehr im Ganzen veröffentlichen will, aber weiterhin "Krawallmacher" beobachtet.
So einfach ist das nicht. Zum einen ist die Rechtslage auf einer öffentlichen Veranstaltung meist so geregelt, dass Fotos oder Videos nur geduldet sind, wenn sie hinterher privat genutzt werden. Es ist allerdings als gut im Sinne aller Fans zu betrachten, wenn man beim FCS noch seine Bilder ins Netz stellen darf.
Da wäre dennoch das Problem mit den Bildern, auf denen Gesichter und Personen klar zu erkennen sind. Zum einen gibt es (gewaltbereite) Fans verschiedenster Vereine, die mittlerweise ähnlich der Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Nazis solche Fotos auswerten, zum anderen kann es sein, dass allein die Nähe zu polizeibekannten Personen ausreicht, um selbst zum Verdächtigen zu geraten. Wenn dann noch der Chef auf der Arbeitsstelle die letzten "Randale" in den Nachrichten mitbekommt und dann einen selbst auf den Fotos entdeckt, ist das Chaos perfekt.
Die fehlende Anonymisierung innerhalb der saarländischen Presse ist dabei auch kein Ruhmesblatt für eben jene.

Bei der ohnehin schon bescheidenen Qualität vieler Fotos bleibt zu sagen:
Fotografiert Spiel, Spieler oder den Fanblock im Ganzen! Es gibt viele sehenswerte Motive wie Fahnen und Choreographien. Aber wer ausschließlich darauf wartet, dass es "abgeht" und dann seine Handykamera zückt, hat etwas falsch verstanden. Man kann nicht auf der einen Seite den Überwachungsstaat fürchten und dann im Privatleben dem Überwachungsstaat die Arbeit abnehmen. Wer einen klaren Kopf bewahrt, sollte auch Provokationen und damit Gewalt aus dem Weg gehen.

In diesem Sinne hoff ich, dass ihr vielleicht, falls ihr selbst Fotografen seid, drüber nachdenkt. Sonst noch eine angenehme Woche!

Carsten

Mittwoch, Juni 04, 2008

Zwei Torhüter sollen es richten

Wer hätte diese Meldungen schon am gestrigen Dienstag erwartet?



Fotos: FCSBlog.de, Saarkicker.de


Dieter Ferner und Enver Marina sollen den FCS aus dem Tal der Tränen führen!

Ironischerweise schließen sich damit die Lücken auf zwei Positionen, die in dieser Saison fast dauerhaft Teil der Kritik am FCS waren. Die Torhüterfrage dürfte nun zugunsten des Rückkehrers Marina entschieden sein, der schon in Neunkirchen ständig mit Wechselgerüchten in Verbindung gebracht wurde. Dies hielt die Borussia nicht davon ab eine relativ erfolgreiche Saison zu spielen, in der es auch gelang, den FCS im eigenen Stadion zu besiegen. In 31 Spielen trug Marina maßgeblich zum Erreichen eines guten sechsten Platzes bei, den vor der Saison wohl nur Wenige der Borussia zugetraut hätten.

Kein Wunder also, dass der Mann, der 2007 als letzter Torwart beim FCS überhaupt Peter Eich aus dem Kasten verdrängte, mit einer gewissen Euphorie empfangen wird. Daran ändert auch ein kurioser Patzer aus dem Spiel in Stuttgart nichts, zu sehr überwiegen die großen Leistungen von Marina, der zu glorreichen Zeiten des FC Kutzhof zwischen Genie und Wahnsinn pendelte und in der Verbandsliga Saar eher unterfordert wirkte.

Dieter Ferner als einen "Rückkehrer" zu bezeichnen wäre eigentlich unwahr, da das Torwartidol der 70er Jahre dem FCS stets treu geblieben ist, auch wenn er 2005 den FCS II Richtung Kutzhof verließ und später den SC Friedrichsthal in die Verbandsliga führte und dort etablierte. Mit ihm verbindet der FCS drei Eigenschaften, die in der nächsten Saison Gold wert sein könnten:

1. Ferner verfügt über eine langjährige Erfahrung als Trainer. Dies unterscheidet ihn von Vorgängern wie Henke, Philippe oder Kaminski, die allesamt ehrgeizig, aber grün agierten.
2. Ferner kennt das Umfeld. Als ehemaliger "Trainergott" der zweiten Mannschaft hat er über Jahre hinweg einen Einblick in das Saarbrücker Umfeld gewonnen und könnte sich somit besser als seine Vorgänger zurechtfinden.
3. Ferner verfügt bei den Fans über ein hohes Ansehen. Die FCS-Fangemeinde erlebte den 59-Jährigen als ausgezeichneten Torwart und soliden Trainer, was Ferner auch den nötigen Kredit verleihen könnte, den er für die schwierige Aufbauarbeit braucht.

Die beiden Neuverpflichtungen sind ein erster, richtiger Schritt für die kommende Saison. Dennoch sollte dies nicht davon ablenken, dass hier nur (verständlicherweise) auf sportlicher Ebene gehandelt wurde. Bei drei Abstiegen in Folge ist eben nicht die Mannschaft oder der Trainer die einzige Konstante, sondern das "Team hinter dem Team", welches noch nicht die letzten Konsequenzen aus seinem Handeln gezogen hat und weiterhin offen (oder verdeckt) agiert. Jedoch dürfte mit diesen Zugängen feststehen, dass sich der Hauptsponsor Victor's noch nicht zurückzieht, obwohl ihm bereits in der Vergangenheit zu viel Einfluss nachgesagt wurde. Es bleibt abzuwarten, ob man wenigstens diesmal der sportlichen Ebene die Zeit lässt, die sie braucht und nicht wieder teure Einkäufe wie Loos oder Krüger tätigt, die man im Nachhinein als Fehler betrachtet.

Weiterführende Links:

- Enver Marina ist die neue Nummer 1 (FCS-HP)
- Dieter Ferner ist neuer Cheftrainer (FCS-HP)
- FCS holt Ferner und Marina (sr-online.de)