Samstag, April 28, 2007

Vom Glück verlassen

Gibt es dieses Wochenende eigentlich irgendeine positive Nachricht, mit der man den heutigen Beitrag beginnen könnte?
Genau genommen könnte man diesen kleinen Funkenschimmer auch den ersten Einsatz von Beginn an für Marc Birkenbach nennen, wenn da nicht die Meldung wäre, dass er den Verein schnellstmöglich verlassen will. Aber wer kann einem ambitionierten Spieler schon verdenken, dass er wechseln will, wenn man ihm keine Chance in der ersten Mannschaft gibt?

Das Spiel gegen Hoffenheim fand in einem spärlich gefüllten Ludwigspark bei brühender Aprilhitze statt. Für diese Jahreszeit war das ein ungewohntes Bild:

'sprenkler' von Carsten_FCS

Die Devise, die vor dem Spiel ausgegeben wurde, musste jedem einleuchten: Der Verein steht dem Abgrund so nahe wie selten zuvor in seiner Vereinsgeschichte, also liegt es an allen, Mannschaft und Fans, das Ruder herumzureissen und den FCS in Sicherheit zu bringen. Während man beim Spiel gegen 1860 II den Abend mit einem bizarren Ritual begann, welches an Spiele im Kindergarten oder (entfernt) an eine Tieropferung erinnerte, machte ein Plakat in der Virage Est die Maxime deutlich:

'Banner' von Carsten_FCS

Immerhin ist das der Beitrag, den ein Fan während der 90 Spielminuten leisten kann. Auf dem Platz standen größtenteils die üblichen Verdächtigen, auch wenn Kapitän Nehrbauer aufgrund seiner fünften Gelben Karte fehlte. Dafür kehrte Mustapha Hadji nach abgesessener Rotsperre zurück und, man höre und staune, Marc Birkenbach spielte von Beginn an. Konsequent, denn in den letzten beiden Spielen leistete sich ein schwacher Peter Eich einige Fehler.
In den ersten Minuten der Begegnung war schon das Gefühl vorhanden, dass der FCS nur mühselig gegen starke Hoffenheimer ankämpfte. Wenn der FCS sich mal Luft verschaffte, wurde sofort gekontert. So setzte Hadji nach einer Viertelstunde Jonathan Jäger mit einem Traumpass in technischer Perfektion in Szene. Dieser hatte nur noch Torwart Haas vor sich, versuchte diesen zu umspielen und wurde dabei regelwidrig von den Beinen geholt. Was als Spielfortsetzung folgte, war klar: Elfmeter!
Die persönliche Strafe für den Torwart war dagegen eine Frage der Regelkunde. Die Gelbe Karte war als Strafe angebracht, da Jäger mit dem Ball vom Tor wegdribbelte und dann laut Regelwerk keine eindeutige Notbremse mehr vorliegt.
Mustapha Hadji trat als etatmäßiger Elfmeterschütze an, nachdem Mahir Saglik in Kassel vom Punkt kläglich scheiterte. Ein knallharter Schuss nach links; der Torwart in der richtigen Ecke; und der FCS ging in Führung. TOR!

'elfmetertor' von Carsten_FCS

In der Folgezeit wirkte der FCS ein wenig befreiter und die Angriffe über Hadji und Jäger liefen herrlich. Man empfand wieder ein wenig mehr Freude, dem FCS dabei zuzusehen, wie er den reichen Hoffenheimern im Aufstiegskampf einen Dämpfer versetzen wollte. Alles schien heute zu gelingen. Bis dann kurz vor Ende der ersten Halbzeit Salihovic den Ball nach einer Flanke von rechts mustergültig aufgelegt bekam. Den Schuss verwandelte er humorlos und unhaltbar im Netz. Mit einem ausgeglichenen Ergebnis und gemischten Gefühlen ging man in die Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit war die Motivation groß, den FCS zum Sieg anzutreiben. Doch das Bild glich größtenteils der ersten Hälfte: Hoffenheim spielt, Saarbrücken kontert. Und so kam es dann auch zu einem Déjà-vu für Jäger und den Hoffenheimer Torwart Haas. Nach einem langen Ball in die Spitze foulte Haas den Franzosen an der Strafraumgrenze und verhinderte somit eine weitere Großchance. Der Schiedsrichter entschied erneut auf Elfmeter und wurde sofort von aufgebrachten Hoffenheimern umzingelt. Diese pochten darauf, dass nur ein Freistoß zu vergeben sei. Nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten änderte der Schiedsrichter dann seine Entscheidung und verteilte zu allem Überfluss keine Karte für Haas. Dieser hätte spätestens jetzt Feierabend machen müssen. Fassungslosigkeit mündete in laut hörbare "Schieber"-Rufe.
Müßig zu erwähnen, dass der anschließende Freistoß übers Tor ging.

Kurze Zeit später verließ ein Großteil der Virage Est ihren angestammten Platz und ging an das die Tore des E-Blocks. Grund hierfür waren die Meinungsverschiedenheiten einiger Stadionverbotler mit dem Ordnungsdienst. Die Situation wurde schnell aber wieder geklärt und die Menschenmasse kehrte zurück auf die Ränge. Schließlich ging es noch um nicht weniger als die Existenz des FCS. In der Schlussviertelstunde waren die konditionellen Schwächen des FCS schon nicht mehr zu übersehen. Nichts ging mehr nach vorne und zehn Minuten vor Ende des Spiels landete eine verunglückte Abwehraktion Assoumanis vor den Füßen von Mesic, welcher Hoffenheim in Führung brachte.

Der Hoffenheimer Anhang war auf einmal akustisch vernehmbar, während sich Mannschaft und Fans des FCS noch einmal für die letzten Spielminuten sammelten. Zwar wurde der Druck noch einmal erhöht, es reichte am Ende aber nicht zum Ausgleich. In der letzten Minute besiegelte Tomislav Maric die erste Heimniederlage des FCS seit dem 2. Spieltag. Während die einen nun in einer Leere zu versinken schienen, verließen die anderen den Ludwigspark.

'verlassen' von Carsten_FCS

Dieses Bild stand für die ganze Saison: die Mannschaft spielt das Stadion leer. Am Ende zeigte sich nur Marc Birkenbach den wenigen verbliebenen Fans, warscheinlich schon als Abschiedsvorstellung, da seine Zukunft wohl bei einem Bundesligisten liegt. Zurück bleibt ein angeschlagener, fast kaputter Verein, verlassen von seinen Talenten, Zuschauern und auch noch vom Glück.

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