Mittwoch, August 05, 2009

Eine Hymne für den FCS

Ein Fanmeeting des 1. FC Saarbrücken bedeutet eine meist muntere Fragerunde, die von Dauerbrennern wie dem Stadionneubau oder der Farbblindheit bei der Auswahl der jährlichen Torwart- und Auswärtstrikots, aber es werden auch Neuigkeiten wie ein Internet-Fernsehen über den Verein angekündigt. Eine dieser neuen Ideen, die beim Treffen vorgestellt wurden, lohnt eine nährere Betrachtung. Das Projekt, das Stadionsprecher Frank Falkenauer ankündigen durfte, enthüllt dabei noch wenig Konkretes, allerdings steht schon fest, dass man sich eines weiteren Musikstückes zu Ehren des Vereins annehmen wird.

Eine Hymne für den FCS, das ist es, was laut Falkenauer noch fehlt, ein Stück Musik, bei dem die Schals "und die Feuerzeuge" in die Höhe gehen und welches ein "Gänsehaut-Feeling" bei den Zuschauern verursacht.
So weit, so groß der Spielraum, den die Fans bei dieser Sache haben sollen, denn diese Hymne, die SR 1 und UnserDing im Namen des 1. FC Saarbrücken finden will, soll in Zusammenarbeit mit denjenigen gesucht werden, die letztlich Woche für Woche im Stadion stehen. Unter der E-Mail-Adresse stadionradio@fc-saarbruecken.de sollen interessierte FCS-Anhänger den kreativen Prozess begleiten und beeinflussen und so am Endergebnis mitwirken. Dabei stehe es noch nicht fest, wann die Fertigstellung erfolgt, welchen musikalischen Stil man einschlagen wird und welcher Band die Aufgabe übertragen wird, das Lied im Studio einzuspielen.

Das Ganze präsentiert sich durchaus als ehrenwert. Nachdem die Fans bisher wenig Mitspracherecht hatten und Bands wie Schaafa Sämpf oder Die Konsorten eher Stimmungslieder für den wöchentlichen Stadionbesuch als Hymnen ablieferten, geht man nun folgerichtig einen anderen Weg, wenn man ein Lied mit völlig anderem Charakter sucht.

Zurück zum Fanmeeting, denn da wurde bereits die erste, allerdings auch zentrale Kritik an diesem Modellversuch genannt: was wird aus dem bisherigen Vereinslied?
Frank Falkenauer beantwortete die Kritik damit, dass man zwar keineswegs dieses traditionsreiche Stück, an dem auch Dieter Thomas Heck mitwirkte, aus dem Ludwigspark drängen wolle, allerdings fehle diesem Lied der hymnenhafte Charakter.

Und das stimmt sogar fast.

Denn das eigentliche Problem des offiziellen Vereinsliedes "F-F-FCS" ist nicht etwa der schlagerhafte Klang, es ist der allgemeine Umgang der Stadionbesucher mit dem traditionellen Liedgut des Vereins. Parallel zur Stimmungsdiskussion, die lange vor dem Block-Schisma in D-Block und Virage Est bereits zum Inhalt hatte, dass der Nachwuchs in der Kurve die Initiative zu selten ergreift. Dies lässt sich daran erkennen, dass beim Abspielen des Vereinsliedes kaum in den Fanblöcken, geschweige denn den neutralen Blöcken, kaum jemand die Zeilen "Wir sind vom FCS // Blau-Schwarz ist unser Dress..." mitträgt. Ob es nun an mangelnder Textkenntnis liegt oder ob es den Leuten peinlich ist, mitzusingen (und das wäre in der Tat sehr peinlich) lässt sich dabei schwer sagen. Tatsache ist jedoch, dass im Ludwigspark an der Stelle, wo in anderen Stadien der Republik mit Stolz und Ehrfurcht gesungen wird, die Masse schweigt.

Etwas anders sieht die Sache mit dem Leergut-Evergreen "Wir kommen wieder" aus, der in der Tat diesen balladenhaftigen Charakter besitzt, der laut Falkenauer eine Hymne ausmacht. Doch tatsächlich ist auch er nicht unschuldig daran, dass dieses Lied den jüngeren Fans geradezu unbekannt ist. Jahrelang wartete man vergebens darauf, dass dieses Lied, welches wie kein anderes den Geist des 1. FC Saarbrücken und seiner Fans eingefangen hat und einfach zeitlos ist, im Programm des Stadionradios auftauchte. Man setzte lieber auf schmerzvoll angeberische Texte wie "In der 2. Liga Deutscher Meister" und sorgte damit beim Fannachwuchs entweder für Geschmacksverirrungen oder der reflexartigen Ablehnungen aller Fansongversuche.

Das Modellprojekt des Stadionradios in Kooperation mit SR 1 und UnserDing kann dabei nur die Hilfe der Fans allzu gut vertragen. Hierbei sollte man dennoch darauf achten, dass man nicht nur auf Rückmeldungen per E-Mail wartet, sondern auch gezielt die Fans im Stadion anspricht und ihnen vor Ort Chancen einräumt, sich an der Findung einer Hymne zu beteiligen. Dies sollte organisierten wie unorganisierten Anhängern in gleicher Weise zugestanden und zum Schluss nach demokratischen Prinzipien abgesegnet werden.
Bis das Ganze fertiggestellt ist, könnte man sich den vorhandenen Dingen widmen.

Und vergesst nicht den Text zu lernen!

Kommentare:

Daniel84 hat gesagt…

"Wir kommen wieder" ist doch super, die soll der Falkenauer halt nur regelmäßig spielen, dann haben wir die Hymne, die er jetzt sucht...

Carsten hat gesagt…

Richtig, wobei es ja öfter gespielt wurde in den letzten zwei Jahren, aber die Masse nicht einmal den Refrain mitsingt.